Sport : Zwei Sieger, ein Verlierer

Stuttgarts Cacau sieht beim 1:1 in Nürnberg Gelb-Rot

Oliver Trust

So eine Rückkehr zum ehemaligen Verein ist nicht immer eine befriedigende Angelegenheit. Die Zuschauer pfeifen, weil man nun ein anderes Trikot trägt und Tore für den Gegner schießt. „Ich habe erwartet, dass die Stimmung hier so ist“, sagte Cacau, als es vorbei war und das 1:1 seiner Stuttgarter beim Aufsteiger Nürnberg als unverrückbare Tatsache auf der Anzeigetafel stand. „Die Leute haben bezahlt, und deshalb dürfen sie auch pfeifen“, sagte der 23 Jahre alte Brasilianer. Eine gute Stunde nach dem Schlusspfiff wirkte er ruhig und ausgeglichen. Auf dem Platz war das anders.

In der 42. Minute hatte Cacau erst gar nicht versucht, mit Schiedsrichter Uwe Kemmling zu diskutieren. Der Mann, der die Schwaben in der siebenten Minute mit 1:0 in Führung gebracht hatte, ging ohne weiteren Kommentar vom Rasen, den Blick starr nach vorne gerichtet, das Gesicht ausdruckslos. Cacau nahm die Gelb-Rote Karte wegen wiederholten Foulspiels einfach so hin. „Es war keine Absicht, aber man kann beide Gelbe Karten geben“, sagte Cacau.

Drei Treffer hatte Cacau am ersten Spieltag gegen Mainz erzielt und dadurch Hoffnungen geweckt, er habe den Sprung vom schlampigen Talent zum Profi geschafft. Und nun das. „Ich bin froh, dass wir hier ein Remis geholt haben“, sagte Cacau und verschwand. Stuttgarts Trainer Sammer nahm den Platzverweis, der die Strategie seines Teams mit einem Schlag über den Haufen geworfen hatte, nicht so klaglos hin. „Wenn solche normalen Fouls der Maßstab sind, dann beenden wir demnächst die Spiele mit sieben gegen sieben. Ich kann den Schiedsrichter nicht verstehen“, schimpfte Sammer. Allerdings lag es nicht nur an Kemmling, dass der VfB ihre Siegesabsichten in Nürnberg recht früh vergessen konnten.

Beim starken Aufsteiger aus Franken hatten sie vor allem im Mittelfeld zu wenig getan. Horst Heldt und Aliaksandr Hleb konnten die Nürnberger nicht in Bedrängnis bringen. Der Ausgleich der Elf von Trainer Wolfgang Wolf durch Ivica Banovic war sogar verdient. „Wir haben eine hervorragende erste Hälfte gespielt. Kompliment an meine Mannschaft“, sagte Wolf. „Da auch die Stuttgarter zufrieden sind, gibt es heute zwei Sieger. Wir sind mit dem Punkt zufrieden“, sagte Wolf. Nach der Pause allerdings versäumten es die Nürnberger, ihren Vorteil in Tore umzusetzen. Mehr als ein Pfostentreffer von Markus Schroth sprang nicht heraus. Und die Stuttgarter verlegten sich mit nur noch zehn Mann fast ausschließlich auf die Defensive.

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