Sport : Zwei sind auf der Höhe

Björn Otto und Raphael Holzdeppe gewinnen im STABHOCHSPRINGEN beide eine Medaille.

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Hängt gut am Stock. Raphael Holzdeppe sprang in London persönliche Bestleistung. Foto: dapd
Hängt gut am Stock. Raphael Holzdeppe sprang in London persönliche Bestleistung. Foto: dapdFoto: dapd

Am Verhältnis zwischen Raphael Holzdeppe und seinem Trainer Andrei Tiwontschik könnte sich jetzt etwas ändern. Stabhochspringer Holzdeppe hat schließlich mit seinem Trainer gleichgezogen, beide besitzen sie jetzt eine olympische Bronzemedaille. Und Holzdeppe sagte lachend: „Wenn es Silber geworden wäre, hätten wir ein Problem bekommen.“

Tiwontschik hatte als letzter deutscher Stabhochspringer eine Olympiamedaille gewonnen, das war 1996 in Atlanta. Seitdem überzeugten die deutschen Stabhochspringer oft bei einzelnen Meetings, aber höchst selten bei einer ganz großen Meisterschaft. In London haben sie nun etwas nachgeholt und gleich zwei Medaillen gewonnen, Holzdeppe Bronze und Björn Otto Silber.

Der neue Olympiasieger Renaud Lavillenie aus Frankreich musste sich 5,97 Meter hoch in den Himmel schrauben, um noch vor den beiden zu landen. Die Reihenfolge in London war am Ende dieselbe wie vor eineinhalb Monaten bei der Leichtathletik-EM in Helsinki, auch da war Lavillenie schon 5,97 Meter hoch gesprungen, Otto schaffte 5,92, einen Zentimeter mehr als jetzt in London und Holzdeppe 5,77 Meter.

Vor allem die Leistung des 22-jährigen Raphael Holzdeppe war daher bemerkenswert in diesem olympischen Finale. In diesem Jahre hatte er seine Bestleistung auf 5,82 Meter gesteigert, aber in London legte er gleich zweimal drauf, erst meisterte er 5,85 Meter, dann 5,91 Meter – den höheren Sprung sogar im ersten Versuch. „Ich fühle mich einfach wunderbar“, sagte er nach dem Wettkampf.

Björn Otto versuchte sogar mit einem Sprung über 6,02 Meter noch nach Gold zu greifen, doch er riss die Latte in seinem einzigen verbleibenden Versuch. „Da habe ich den steifsten Stab genommen, mit dem ich je gesprungen bin“, sagte Otto, „ich weiß aber jetzt, dass ich diese Höhe springen kann, das nehme ich von hier mit.“

Mit seinen 34 Jahren hat Björn Otto nun den größten Erfolg seiner Karriere erreicht. „Ich habe auf jeden Fall Silber gewonnen und nicht Gold verloren“, sagte er nach dem Wettkampf, „Renaud ist einfach der Beste von uns im Moment.“ Seine Silbermedaille ist auch eine große Entschädigung für sein Pech im vergangenen Jahr. Er hatte zwar die erforderliche Qualifikationsnorm von 5,80 Meter erreicht, um für die WM in Daegu nominiert zu werden, doch die Anlage mit ihrem Anlaufsteg war damals nicht richtig vermessen. Nach Daegu flog er nicht mit der deutschen Mannschaft mit.

Aufgehört hat er trotzdem nicht, auch weil ihm Stabhochspringen mehr bedeutet als nur Training, Wettkampf und Gewinnenwollen. In der Luft fühlt sich Björn Otto besonders wohl. Regelmäßig springt er mit dem Fallschirm aus 4000 Meter Höhe. „Fliegen ist meine Leidenschaft“, sagt er. Am liebsten würde er jetzt als Nächstes eine Pilotenausbildung machen.

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