Sport : Zwei Stürmer, keine Tore

Hertha BSC beginnt gegen den FC Ingolstadt offensiver als gewohnt. Mit dem 0:0 kommt aber nur das zweite Unentschieden in Folge dabei heraus.

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Berlin - Es zog sich etwas. Andre Mijatovic hatte viele Hände zu schütteln, der frühere Kapitän von Hertha BSC begrüßte im Spielertunnel die ehemaligen Kameraden ausgiebig. Im Spiel ging es dann aber weniger freundschaftlich zu: Vor 33 156 Zuschauern im Olympiastadion zeigten Mijatovic und seine neuen Kollegen vom FC Ingolstadt eine beherzte Gegenwehr und trotzten dem Zweitligazweiten Hertha ein 0:0 ab.

„Wir haben gezeigt, dass es schwer ist, gegen uns zu spielen“, sagte Mijatovic nach dem Schlusspfiff zufrieden. Die Berliner sind damit zwar seit zehn Spielen ungeschlagen. „Aber es fühlt sich an wie eine Niederlage“, sagte Nico Schulz. „Das war heute zu wenig“, fand auch Fabian Lustenberger. „Uns hat heute die letzte Finesse gefehlt“, bemängelte Trainer Jos Luhukay. Nach dem zweiten Unentschieden in Folge wuchs der Rückstand zu Tabellenführer Eintracht Braunschweig auf sieben Punkte, Energie Cottbus (Sonntag in Bochum) und der 1. FC Kaiserslautern (Montag gegen Aue) könnten Hertha nun sogar von den Aufstiegsrängen verdrängen. „Wir müssen uns nicht den Kopf zerbrechen, heute hat keiner den Aufstieg er- oder verspielt“, sagte aber Lustenberger.

Als Ersatz für den gelbgesperrten Kapitän Peter Niemeyer vor der Abwehr entschied sich Luhukay vor dem Spiel für – niemanden. Sandro Wagner lief stattdessen als zweite Spitze auf. Das Resultat: Ein ziemlich großes Loch zwischen Abwehr und Mittelfeld, das zeitweise Wendeplatz für einen Dreißigtonner geboten hätte. Peer Kluge mühte sich leidenschaftlich, alle Lücken zu stopfen und den Spielaufbau anzukurbeln, aber oft vergeblich. Meist musste der Ball auf dem Luftweg nach vorne befördert werden gegen die aggressiven Ingolstädter, die keineswegs nur verteidigten. Doch die ersten Konterangriffe der Oberbayern durch die offene Mitte klärte meist der starke Abwehrchef Lustenberger.

Zur ersten echten Chance kam Hertha dann durch Ramazcan Özcan: Der Ingolstädter Torwart nahm verbotenerweise einen Rückpass des eigenen Mitspielers mit der Hand auf. Doch Özcan machte es wieder gut, als er nach dem indirekten Freistoß einen Flachschuss von Ronny parierte. Die Gäste legten nun zu, nach einer halben Stunde traf Caiuby die Latte. Der Brasilianer, von den eigenen Fans liebevoll „Kai-Uwe“ gerufen, war in der ersten Hälfte auffälligster Ingolstädter. Eine Minute nach seinem Lattenschuss legte er den Ball quer zu Alper Uludag, doch Herthas Torhüter Thomas Kraft klärte zweimal gegen den Deutsch-Türken. Das Spiel gefiel anfangs noch mit hohem Einsatz und Tempo, der auswärts ungeschlagene Tabellenfünfte zeigte den besten Gastauftritt im Olympiastadion, seit Paderborn am ersten Spieltag ein 2:2 geholt hatte.

Nach der Pause ging es zunächst noch weiter hin und her: Schulz wurde von Ronny alleine vor das Tor geschickt, lupfte den Ball aber zu hoch. Kurz darauf wehrte Kraft einen Schuss von Christian Eigler ab. Luhukay hatte auf das Loch in der Mitte reagiert und im zweiten Durchgang auf ein 4-2-3-1-System umgestellt, mit Marcel Ndjeng als zweitem Sechser. Doch Ingolstadt zeigte sich unbeeindruckt, hielt weiter diszipliniert dagegen, ohne jedoch noch einmal torgefährlich zu werden. Luhukay brachte den 17-jährigen Hany Mukhtar und Sami Allagui für die Offensive. Eine Minute nach seiner Einwechslung tauchte Allagui frei vor dem Tor auf, doch Özcan parierte. Die Berliner rannten an, doch oft zu kopflos. Das Niveau der Partie fiel mit den Temperaturen. Die letzten zehn Minuten durfte sich der für Kluge eingewechselte Roman Hubnik als nächster Sechser versuchen. An dem mit Pfiffen kommentierten Endergebnis konnte der Tscheche aber weder vorne noch hinten etwas ändern.

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