Sport : Zwei Stürmer sind besser als einer

Hoffenheim verliert 1:2 gegen Leverkusen und gibt Chefcoach Markus Babbel nicht mehr viel Zeit.

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Markus Babbel zupfte sich den Kragen seiner Jacke zurecht und ging mit nachdenklichem Gesicht in die Kabine. Kurz bevor er nach dem 1:2 (0:2) gegen Bayer Leverkusen den Kabinengang erreichte, schüttelte der Hoffenheimer Cheftrainer dem Vierten Offiziellen noch die Hand. Es sah fast wie ein Abschied aus.

Viel Kredit scheint der Hoffenheimer Cheftrainer nicht mehr zu haben. Mit einer schnellen Entlassung des ehemaligen Nationalspielers aber wird nicht gerechnet. Am kommenden Mittwoch muss Hoffenheim beim 1. FC Nürnberg antreten. Die Frage, ob Babbel dort noch auf der Bank sitze, beantwortete Hoffenheims Manager Andreas Müller mit einem knappen: „Ja.“ Maßstab sei, wie die Mannschaft auftrete. „Es geht aber nicht, dass die Mannschaft immer erst ihre Fesseln ablegt, wenn sie in Rückstand ist“, sagte Müller. „Es geht jetzt nicht um den Trainer, sondern um Hoffenheim.“

Gegen Leverkusen hatte die TSG trotz einer engagierten zweiten Hälfte die siebte Saisonniederlage kassiert und steht mit ernüchternden zwölf Zählern auf Relegationsplatz 16. In der ersten Hälfte hatte Leverkusen durch Tore von Lars Bender und Daniel Carvajal 2:0 geführt und die Partie gegen einfallslose Hoffenheimer beherrscht. Nach der Pause dann stellte Babbel auf ein Zwei-Stürmer-System um, womit seine Mannschaft besser zurecht kam. Mehr als der Anschlusstreffer durch Kevin Volland, der nach einer Stunde Spielzeit einen Schuss von Fabian Johnson mit dem Kopf unhaltbar ablenkte, gelang den nun überlegenen Hoffenheimern nicht.

„So zu spielen ist nicht unser Anspruch. Am Ende ging es nur noch darum, den Sieg über die Zeit zu bringen“, sagte Leverkusens Trainer Sascha Lewandowski. Während der zweiten Hälfte stand sein Kollege Babbel fast ohne Unterbrechung weit vorne in seiner Coachingzone. Mal gab er engagiert Anweisungen, mal sah er verloren in irgendeine Ecke des Stadions.

Im Abschlusstraining hatte sich Hoffenheims Stammtorwart Tim Wiese eine Knieverletzung zugezogen. Er wurde durch Koen Casteels ersetzt. Die Leverkusener nutzten die Lücken in Hoffenheims Abwehr und wandelten ihre Konter in Tore um. Die Gastgeber kamen durch Roberto Firmino in der ersten Halbzeit immerhin zu einem Lattentreffer. Nach der Pause dann das umgekehrte Bild: André Schürrle traf die Latte für Leverkusen, aber Hoffenheim hatte die weitaus besseren Chancen und erzielte auch ein Tor.

Leverkusen kam praktisch nicht mehr aus der eigenen Hälfte und hatte mehrfach Glück, nicht den Ausgleich zu kassieren. Schipplock und Derdiyok scheiterten aber. „In der zweiten Hälfte standen wir unter Dauerdruck“, klagte Lewandowski. Sein Gegenüber Babbel sah es positiv: „Die zweite Halbzeit war ein guter Anfang für uns.“ Vielleicht ja auch noch ein letzter Anfang für ihn in Hoffenheim.

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