Sport : Zwei Tage lang Ecken einstudiert

Warum Fanny Rinne so wertvoll für den BHC ist

Karsten Doneck

Berlin - Horst Buhr charakterisiert sie als „natürlich, lieb und hilfsbereit“. Und sie sei „eine exzellente Hockeyspielerin, nahezu komplett“. Der Teammanager des Hockey-Bundesligisten Berliner HC würde Fanny Rinne am liebsten bis ans Ende ihrer Karriere an den Klub binden. Doch Verträge gibt es beim BHC nicht, Geld schon gar nicht – und auch das Objekt der Begierde, Fanny Rinne, sagt: „Ich bin noch ungebunden. Da weiß man nie.“ Angedacht sei aber, dass die 27 Jahre alte Mittelfeldspielerin, derzeit Sportsoldatin bei der Bundeswehr, zumindest noch bis zu den Olympischen Spielen in Peking in Berlin bleibt. Und dann?

Fanny Rinne ist seit Sommer vergangenen Jahres beim BHC. In Heidelberg hatte sie zuvor ihr Studium in Sport und Pädagogik abgeschlossen. Damit war für sie die Zeit gekommen, Neues auszuprobieren. Bei ihrem bisherigen Klub, dem TSV Mannheim, lebte sie mit der Verantwortung, Dreh- und Angelpunkt einer Mannschaft zu sein, die meist hart um den Klassenerhalt zu kämpfen hatte. „Ach“, sagt sie in ihrer lockeren Art, „das hat trotzdem Spaß gemacht.“ An Angeboten zur sportlichen Verbesserung mangelte es nicht. Knapp 200 Länderspiele – darunter die, die zum olympischen Gold 2004 in Athen führten – mit insgesamt 81 Toren: Das ist ihre Visitenkarte. Rot-Weiß Köln und Alster Hamburg buhlten um die Spielerin, auch aus Holland gab es eine lukrative Anfrage. „Dort hätte sie mit Hockeyspielen auch Geld verdienen können“, sagt Buhr.

Nur: Fanny Rinne wollte nach Berlin, durch keine Verlockung ließ sie sich davon abbringen. „Mir war die BHC-Mannschaft sympathisch – und die Stadt.“ Allerdings schien die Umstellung für sie zunächst schwieriger als gedacht. „Sie war bei uns nicht mehr wie vorher in Mannheim die wichtigste Spielerin auf dem Platz. Bei uns gibt es ja auch Natascha Keller und sechs, sieben andere gestandene Nationalspielerinnen“, sagt Buhr. Fanny Rinne musste sich einordnen, ihre Rolle finden, sie akzeptieren. Das brauchte etwas Zeit. Sie selbst sieht ihren Einstieg ins BHC-Team nicht so problematisch. „So neu war die Situation für mich gar nicht. Auch in der Nationalmannschaft habe ich ja einen Großteil dieser Spielerinnen um mich herum und wir müssen uns einander anpassen.“

Mit Fanny Rinne schickt sich der BHC an, auch in diesem Jahr wieder Deutscher Feldhockey-Meister zu werden. Am Samstag steigt das Spitzenspiel bei Rot-Weiß Köln: Erster gegen Zweiter. „Ich sehe das ganz locker“, sagt Fanny Rinne. Kein Wunder, sie selbst ist gut vorbereitet auf die letzten Wochen der Saison. Erst Mitte April hatte sie in Leipzig auf Kunstrasen einen zweitägigen Eckenschlenz-Lehrgang absolviert. Zwei Tage lang nichts anderes als stundenlang Ecken schlenzen – „Naja“, sagt sie da, „natürlich ist das nur stupide Wiederholung, fast wie Fließbandarbeit, aber es werden eben wichtige Feinheiten geschult.“ Feinheiten, die im Meisterschaftsendspurt vielleicht den Ausschlag geben. Karsten Doneck

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