Sport : Zwei Treffer, kein Tor

Union fühlt sich beim 0:0 in Oberhausen benachteiligt

Markus Scheffel

Oberhausen. Der Zorn war noch lange nach dem Schlusspfiff nicht verraucht. „Wir sind alle ziemlich aufgewühlt“, sagte Mirko Votava vor der langen Rückfahrt mit dem Bus nach Berlin. Das 0:0 bei RW Oberhausen war für den von Votava trainierten Fußball-Zweitligisten 1. FC Union zwar aller Ehren wert, aber die Gäste ärgerten sich dennoch maßlos – und zwar über Schiedsrichter Thorsten Schriever. Der Mann an der Pfeife, mit seinen 27 Jahren einer der jüngsten Referees im deutschen Profifußball, hatte zuvor zwei Treffern der Berliner die Anerkennung verweigert. Es waren höchst umstrittene Entscheidungen, und Votava mag da schon gar nicht mehr an ausgleichende Gerechtigkeit glauben. „Im Zweifelsfalle immer gegen Union – das zieht sich wie ein roter Faden durch die Saison“, grollte er.

Rund 70 Minuten waren gespielt, da hatte Union bereits zwei Tore bejubelt, aber die Freude währte jeweils nur kurz, ehe sie sich in Verärgerung verwandelte. Als die Berliner nach der Pause immer stärker wurden, traf zunächst Salif Keita nach Flanke von Thomas Sobotzik per Kopf, doch der Schütze soll nach Ansicht des Schiedsrichtergespanns im Abseits gestanden haben. Eine umstrittene Entscheidung. Noch zweifelhafter war die Aberkennung des zweiten Treffers. Eine Flanke von Florian Bruns wehrte RWO-Torwart Oliver Adler mit der Faust ab, genau vor die Füße von Steffen Baumgart, der den Ball einschob. Irgendwo im erweiterten Bereich der Schussbahn turnte auch noch Keita herum – ohne jedoch in dieser Szene ernsthaft einzugreifen. Schiedsrichter Schriever erkannte das Tor erst als solches an, revidierte aber seine Entscheidung nach Rücksprache mit seinem Assistenten an der Seitenlinie. „Keita ist hochgesprungen, vielleicht hat er dadurch ja unseren Libero Dejan Raickovic irritiert“, suchte Oberhausens Torwart Adler etwas krampfhaft nach einer Erklärung für die Nichtanerkennung des Treffers und stellte für seine eigene Elf fest: „Schwein gehabt.“

Union hat sich im Stadion Niederrhein wacker geschlagen. Die Mannschaft verhielt sich taktisch sehr disizipliniert. Dabei zeigte RW Oberhausen allerdings wieder einmal die bekannte Schwäche. Die Mannschaft von Trainer Jörn Andersen ist zwar mittlerweile seit neun Spielen ohne Niederlage, hat aber trotzdem heftige Probleme, wenn sie in einem Spiel selbst die Initiative ergreifen muss. So erklärt sich auch, warum die Westdeutschen auswärts bisher weitaus mehr Punkte geholt haben als zu Hause.

„Die wollten uns auskontern, aber wir sind denen nicht auf den Leim gegangen“, sagte Votava hinterher. Die Oberhausener kamen gegen die konzentriert arbeitende Abwehr der Berliner kaum zu nennenswerten Chancen, sodass RWO-Torhüter Adler nachher zugeben musste: „Wir haben nie zu unserem Spiel gefunden.“

Unions Leistung ist umso anerkennenswerter, als mit Kostadin Widolow der Spielgestalter verletzt fehlte und mit Stürmer Sreto Ristic (angebrochener Zeh) eine weitere erfahrene Kraft nicht zur Verfügung stand. Trainer Mirko Votava erlebte den Schlusspfiff von der Zuschauertribüne aus. Irgendwann war ihm der Kragen geplatzt, zu leidenschaftlich hatte er reklamiert und wurde von Schiedsrichter Schriever von der Bank verwiesen.

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