Sport : Zwei weisen den Weg

Die Sorgenkinder Diego und Frings helfen Werder Bremen

Frank Hellmann

Bremen – Wenn Diego irgendwann mal Deutschland verlässt, wird er viele Erkenntnisse mitnehmen – Sprachkenntnisse allerdings kaum. Es ist erstaunlich, dass der Fußballprofi aus Brasilien auch im dritten Bundesliga-Jahr kein Wort Deutsch zu reden vermag. Vielleicht liegt das auch daran, dass der 23-Jährige zuletzt so selten an der Weser war. Erst der olympische Auftrag mit der brasilianischen Auswahl, anschließend gleich die WM-Qualifikation – insgesamt mehr als einen Monat war der Vielflieger abstinent, was Werders Trainer Thomas Schaaf zu dem Spruch veranlasste: „Früher hieß es Bremen, Achim und Osterholz-Scharmbeck, heute eben Peking, Bremen, Sao Paulo. Normalerweise müssten diejenigen, die diese Pläne aufstellen, mal solch eine Belastung bewältigen.“

Spätestens seit Samstag ist die Debatte um den gestressten Spielmacher der fehlgestarteten Bremer verstummt. Denn Diego schoss beim erst in der Schlussviertelstunde sicher gestellten 3:0 (0:0) gegen Energie Cottbus das 1:0 per Traumfernschuss. Er war bester Mann auf dem Platz und wirkte nicht so, als habe ihm der Atlantikflug vom Vortage irgendetwas angetan. „Ich sage es immer wieder: Sobald ich das Werder-Trikot überziehe, bin ich wie neu geboren“, beschied Diego. „Das Schlimmste, was man ihm antun kann, wäre ihn nicht spielen zu lassen“, bemerkte Sportchef Klaus Allofs. Auch Torsten Frings, Schütze des 2:0, hatte als Sorgenkind gegolten, weil der Nationalspieler so schleppend in die Saison gestartet und sich dann auch noch beim Basketballspielen die Nase gebrochen hatte. Doch nun erwies sich Frings als Aktivposten. Auch Per Mertesacker gab ein solides Comeback. Nach seiner Meniskusverletzung aus der Saisonvorbereitung hätte es für den Verteidiger keinen bessere Aufbauhilfe geben können als den biederen Widerpart aus der Lausitz, der sich auf zwei kümmerliche Torschüsse beschränkte.

Die gute Bremer Form ist auch nötig: Schon morgen trifft Werder zum Champions-League-Auftakt auf die Überraschungsmannschaft Anorthosis Famagusta, am Samstag folgt der Auftritt beim FC Bayern. Frank Hellmann

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