Sport : Zweierlei Maß für Rechte und Pflichten (Kommentar)

Hartmut Moheit

Die Aktien von DaimlerChrysler waren gestern knapp im Negativen. Das Signal für die Börse kam aus Frankfurt, keinesfalls aus Sao Paulo. Selbst der Kauf von 34 Prozent Mitsubishi-Anteilen sorgte für keine freundliche Stimmung auf dem Parkett. Was wäre gewesen, hätte das Resultat des zweiten WM-Laufes in der Formel 1 in Interlagos einen direkten Einfluss auf den Dax-Wert gehabt? Immerhin rund 200 Millionen Mark ist DaimlerChrysler die Formel 1 laut dem Wirtschafts-Magazin "EuroBusiness" im Jahr 2000 wert. Ein dickeres Börsen-Minus wäre wohl die Folge gewesen.

Zum zweiten Mal im zweiten Rennen dieser Saison hat Mika Häkkinen in seinem Silberpfeil mit dem "Wundermotor" nicht die Zielflagge gesehen, während sich der Ferrari von Michael Schumacher als zuverlässig erwies. Das allein sorgte für Frust. Damit nicht genug des Unguten. Dem wenigstens noch Zweitplatzierten David Coulthard sollen die sechs WM-Punkte per Berufungsgericht des Internationalen Automobilverbandes (Fia) in Paris aberkannt werden. Der Tiefpunkt wäre erreicht. Was bleibt Mercedes-Teamchef Norbert Haug übrig, als bessere Zeiten herbeizubeschwören. "Hochmut kommt stets vor dem Ausfall", hat er immer gesagt und ist dementsprechend auch immer mit strittigen Entscheidungen umgegangen.

Nicht anders nach der vorläufigen Disqualifikation von Coulthard wegen eines nicht regelkonformen Frontflügels. Es hätte neben dem Schotten auch fünf weitere Fahrer treffen können, an deren Autos die Abmessungen der Bodenplatten nicht regelgerecht waren. Mit der Bestrafung nach zweierlei Maß greift die Fia direkt ins WM-Klassement ein. Sie setzt sich damit erneut dem Verdacht aus, einen "Wunschweltmeister" küren zu wollen. Dabei müsste die Fia aus den Erfahrungen vergangener, sehr dubioser Entscheidungen gelernt haben. Disqualifikationen sind dann auch Betrug an den Fans, von denen 15,52 Millionen allein bei RTL das Rennen verfolgt haben. Von den Aktionären, die hinter den Teams und deren Sponsoren stehen, ganz zu schweigen. Unter diesem Vorzeichen ist es wohl besser, dass aus dem geplanten Börsengang von Formel-1-Boss Bernie Ecclestone noch nichts geworden ist.

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