Sport : Zweierlei Recht

In der Dopingbekämpfung versuchen sich Sport und Staat jetzt zu ergänzen

Friedhard Teuffel

Berlin - Im Moment scheint es, als habe es nie unterschiedliche Auffassungen darüber gegeben, wie Doping bekämpft werden soll. Einen Tag, nachdem Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble angekündigt hatte, den Besitz von Dopingmitteln zu verbieten und damit den Athleten auch durch den Staat bestrafen zu können, sagte der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes Thomas Bach: „Das bestätigt unsere Haltung.“

Bisher hatte Bach darauf bestanden, dass der Athlet nicht kriminalisiert werde und der Sport Herr des Verfahrens in der Dopingbekämpfung bleibt. Ein Widerspruch zu Schäubles Position? „Der Athlet wird bestraft, es ist nur die Frage, wer es tut“, sagte Bach nun. Die für Schäuble und Bach zufriedenstellende Antwort wird wohl die sein: jeder auf seine Weise. Der Sport wird auch weiterhin bei positiven Dopingproben Wettkampfsperren verhängen, was einem Berufsverbot gleichkommt. Der Staat dagegen könnte den Athleten für den Besitz von Dopingsubstanzen bestrafen, sei es mit einer Geldbuße oder sogar mit Gefängnis.

Harte Strafen sieht auch ein Gesetzentwurf der bayerischen Staatsregierung vor, den Ministerpräsident Edmund Stoiber am Dienstag vorstellte. Er soll an diesem Mittwoch im bayerischen Ministerrat beschlossen und dann in den Bundesrat eingebracht werden. Der Entwurf sieht vor, Doping in besonders schweren Fällen mit bis zu zehn Jahren Haft zu ahnden, es wäre per Gesetz „Sportbetrug“.

Genau diesen Straftatbestand „Sportbetrug“ aber wollen Schäuble und Bach nicht, weil er die Autonomie des Sports beschneiden würde. Immerhin ist Schäuble zu dem Ergebnis gekommen, dass auch der Besitz von Dopingmitteln bestraft werden muss. Bisher ist nur die Weitergabe strafbar. Bach sorgt sich jedoch weiterhin darum, ob die Rechtssprechung des Sports noch Bestand hat, wenn erst einmal der Staat eingreift. Es besteht schließlich ein großer Unterschied: Wird ein Sportler mit einer positiven Dopingprobe erwischt, muss er seine Unschuld beweisen. Die strafrechtliche Urteilsfindung des Staates sieht dagegen vor, dass dem Angeklagten seine Schuld nachgewiesen werden muss.

Die Lösung für Thomas Bach liegt nun darin, „den Besitz von ausgewählten Dopingmitteln ohne ärztliche Verordnung unter Strafe zu stellen, ohne vom Besitz auf den Konsum zu schließen“. Denn für die Bestrafung des Konsums soll alleine der Sport zuständig bleiben, sonst müsste auch die Polizei Dopingtests machen. Der Präsident des Deutschen Leichtathletikverbandes Clemens Prokop glaubt dagegen erst gar nicht, dass Sport und Staat sich in die Quere kommen: „Es sind zwei selbständige Verfahren, die sich nicht beeinträchtigen.“ Dass die Polizei künftig bei Sportveranstaltungen regelmäßig in den Umkleidekabinen auftaucht, hält Prokop für unwahrscheinlich: „Der Staat ermittelt doch nur bei hinreichendem Tatverdacht.“

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