Sport : Zweifache Pankower Einheit Die Wiedervereinigung eines Berliner Vereins

Mathias Klappenbach

Berlin - Der Westen machte den ersten Schritt. Die Auflösung schien nur noch eine Frage der Zeit zu sein, es waren nur drei Mannschaften übrig geblieben. Da kam der Mauerfall gerade recht, um auf den Osten zuzugehen und die beide Teile des Sportvereins, die 40 Jahre zuvor getrennt wurden, wiederzuvereinigen. „Wenn der Westen nicht auf uns zugekommen wäre, hätten wir es auch nicht gemacht“, sagt Jörg Milack, der heute Vorsitzender des VfB/Einheit zu Pankow 1893 e. V. ist. In seinem komplizierten Namen spiegelt sich die wechselvolle Geschichte des Vereins wider.

Als sich der VfB Pankow im Jahr 1951, weil er zum Rat des Stadtbezirks gehört, zwangsweise in „Einheit Pankow“ umbenennt, spaltet sich ein Teil der Mitglieder ab und schafft es, unter dem alten Namen im Berliner Westen in Reinickendorf einen Fußballplatz zu finden. Dort spielt der VfB sportlich keine große Rolle, anders als der Verein Einheit im Osten, der nicht nur deshalb bekannt ist, weil ihn der Fan und bekannte Kabarettist Edgar Külow in viele seiner Nummern einbaut. Die SG Einheit verliert 1952 im FDGB-Pokal erst im Finale gegen die SG Volkspolizei Dresden und spielt nach dem Abstieg aus der Oberliga immer wieder mal in der zweithöchsten Spielklasse, der DDR-Liga. Trotzdem müssen die ursprünglichen Vereinsfarben Blau-Weiß für eine Zeit in Grün-Weiß geändert werden, weil sich nur in diesen Farben Spielkleidung besorgen lässt. Im Westen erweitert der VfB inzwischen seinen Namen um das Wort „zu“. Damit wollen die alten Mitglieder, die nicht mehr in Pankow spielen dürfen, aber die Wiedervereinigung nie aus den Augen verloren haben, ihre Tradition unterstreichen.

Nach der Wende kommt es dann schnell zu den ersten Gesprächen bei einem Bier, auf die im Mai 1991 die Wiedervereinigung des Traditionsvereins folgt. Das Wort, dass 40 Jahre zuvor Anlass für die Spaltung gewesen war und nun noch eine andere Bedeutung erhält, wird in den neuen Vereinsnamen aufgenommen: VfB/Einheit zu Pankow 1893 e. V.

Der erste Zusammenschluss von zwei Sportvereinen aus Ost und West in Berlin ist das, was man heute eine Win-win-Situation nennt: beide Seiten profitieren. „Der Westverein brachte Sponsoren und Wissen über die Strukturen im Berliner Fußball. Und der Osten hatte einen funktionierenden Verein“, sagt Jörg Milack, der dem Verein seit 30 Jahren angehört. „So haben wir uns recht schnell zusammengewürfelt.“

Die Unterschiede zwischen Ost und West treten in den ersten Jahren nach der Fusion vor allem bei den verschiedenen Vorstellungen von dem zutage, was Vereinsleben heißt. „Da gab es auseinander gehende Ansichten darüber, wie eine Weihnachtsfeier auszusehen hat“, sagt Milack. Auch das ist inzwischen Geschichte, die praktischen Probleme auf der Anlage am ehemaligen Mauerstreifen in Schönholz sind andere geworden. 470 Mitglieder und 20 Mannschaften in allen Altersklassen hat der Verein, Tendenz steigend. „Seit einiger Zeit haben unsere Jugendmannschaften wieder großen Zulauf“, sagt Jörg Milack. „Wir können die bald gar nicht mehr alle aufnehmen.“ Obwohl die Jugendmannschaften auch auf dem Platz am sowjetischen Ehrenmal trainieren.

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