Sport : Zweifeln verboten

Friedhard Teuffel

In der Dopingbekämpfung gibt es nur Schwarz und Weiß, schuldig oder unschuldig. Ein bisschen schuldig kann ein Sportler nicht sein, wenn ihm die Einnahme verbotener Substanzen nachgewiesen worden ist. So hat es jedenfalls die Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) festgelegt, und darunter haben einige Sportler zu leiden.

Wahrscheinlich auch der Radprofi Danilo Hondo, der gestern vom Internationalen Sportgerichtshof (CAS) in letzter Instanz für zwei Jahre gesperrt worden ist. Sein Anwalt Michael Lehner hat den CAS daraufhin als verlängerten Arm der Wada bezeichnet. Das Urteil verstoße gegen Grundrechte wie die Verhältnismäßigkeit und das Recht auf Bewährung. Ist seine Aufregung berechtigt?

In der Tat sind im Fall Hondo Zweifel angebracht, denn ihm wurde bei der Murcia-Rundfahrt im März 2005 das Aufputschmittel Carphedon in so geringer Menge nachgewiesen, dass es kaum leistungssteigernd gewesen sein dürfte. Selbst der Anti-Doping-Experte Werner Franke schlug sich auf Hondos Seite und vermutet, der Profi könne aus einer verunreinigten Flasche getrunken haben. Hondo wurde zunächst auch nur für ein Jahr gesperrt. Die Wada verlangte jedoch das übliche Strafmaß von zwei Jahren.

Es gibt gute Gründe für eine ausnahmslos harte Bestrafung von zwei Jahren. Sie schreckt zum einen ab und bewahrt die Sportgerichte zum anderen vor ihrem Ende durch Überlastung. Schließlich würde jeder überführte Doper sonst um eine Reduzierung seiner Sperre kämpfen. Doch es bleibt etwas auf der Strecke, denn Zweifel werden nicht berücksichtigt. Gut möglich, dass Hondo zwei Jahre dafür gesperrt wurde, nicht genügend aufgepasst zu haben. Die Sperre bedeutet für den 32-Jährigen das Karriereende. Das ist ein hoher Preis für den Kampf der Wada gegen Doping.

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