• Zweijahresvertrag für den Dortmunder und ein neues Vertrauensvotum für Trainer Stevens

Sport : Zweijahresvertrag für den Dortmunder und ein neues Vertrauensvotum für Trainer Stevens

Martin Hägele

Was für ein spektakulärer Transfer-Coup nach der Pleitensaison: Welt- und Europameister Andreas Möller soll den Fußball-Bundesligisten Schalke 04 wieder zurück ins internationale Geschäft führen. Der 85-malige Nationalspieler, der ablösefrei vom Rivalen Borussia Dortmund kommt, unterschrieb am Freitag überraschend bei den Schalkern einen Zweijahresvertrag mit einer Option auf eine weitere Saison. Mit dem 32 Jahre alten Mittelfeldstar will der Uefa-Cup-Sieger von 1997 endlich wieder aus dem grauen Mittelmaß herausfinden.

"Die letzten zwei Jahre beim BVB waren nicht erfolgreich. Ich möchte wieder Erfolg haben. Ich habe eine Herausforderung für die nächste Saison gesucht und freue mich auf Schalke", sagte Möller bei seiner gestrigen Vorstellung. Schalkes-Manager Rudi Assauer, der "ratzfatz in drei Tagen" die Verpflichtung perfekt gemacht hatte, erklärte: "Andy ist nach wie vor der torgefährlichste Mittelfeldspieler der Bundesliga. Wir haben immer jemanden mit seiner Kreativität, seiner Fußball-Intelligenz und seiner Klasse gesucht. Er ist ein Mann, der Spiele alleine entscheiden kann."

Der Mittelfeldspieler, dem in 332 Bundesligaspielen 104 Tore gelangen, hatte seine vermeintlich problemlose Vertragsverlängerung in Dortmund zuletzt immer wieder hinaus gezögert. 1994 war er für neun Millionen Mark vom italienischen Rekordmeister Juventus Turin zu den Westfalen zurückgekehrt, mit denen er zwei Meistertitel (1995 und 1996) und die Champions League (1997) gewann. Nach einem Muskelbündelriss in der Winterpause fand Andreas Möller nicht mehr zu seiner alten Form zurück und geriet in der zerstrittenen Dortmunder Mannschaft zunehmend ins Abseits. Der BVB-Retter Udo Lattek kritisierte den Mittelfeldmotor zudem auch in der Öffentlichkeit hart: "Er bringt mir zu wenig. Er ruft sein Leistungspotenzial nicht ab."

Kurz nachdem der Transfer bekannt geworden war, hatte es auf der Geschäftsstelle in Gelsenkirchen per Fax schon Proteste von Fans und sogar erste Vereinsaustritte gegeben. Aber Assauer verteidigte die Verpflichtung des Stars vom Erzrivalen Dortmund: "Mir ist bewusst, dass dies bei einigen Fans auf Unverständnis stößt. Aber ich bitte um eine faire Chance für Andreas Möller."

Möller, nach dem Bielefelder A 2-Nationalspieler Jörg Böhme und dem Duisburger Manndecker Tomasz Hajto (jeweils 1,5 Millionen Mark) der dritte Schalker Neuzugang, könnte nicht der einzige Dortmunder sein, der zum Erzrivalen wechselt. Denn nach Informationen des sid arbeiten die "Königsblauen" weiter an einer Rückkehr von Nationaltorhüter Jens Lehmann. "Das ist noch nicht in trockenen Tüchern", erklärte der Verwaltungsratsvorsitzende und FDP-Politiker Jürgen W. Möllemann vielsagend.

Lehmann, mit Schalke 1997 Uefa-Cup-Sieger, war vor zwei Jahren für acht Millionen Mark zum AC Mailand gewechselt. Doch bereits nach vier Monaten beendete der 30-Jährige das Abenteuer Italien und unterschrieb beim BVB. Aber bei den Borussen, bei denen er noch bis 2002 unter Vertrag steht, wurde die "1b" von DFB-Teamchef Erich Ribbeck nicht so recht glücklich und personifizierte mit seinen schlimmen Patzern in der vergangenen Saison den Absturz des vermeintlichen Titelaspiranten.

In der Trainerfrage stärkten die Schalker Verantwortlichen Huub Stevens trotz des enttäuschenden 13. Tabellenplatzes erneut den Rücken. Mit 7:2 Stimmen sprachen sich Vorstand und Verwaltungsrat auf einer dreistündigen Klausurtagung in Billerbeck bei Münster für ein weiteres Engagement des Niederländers aus, dessen Vertrag noch bis zum 30. Juni 2001 läuft.

Zudem kam die Schalker Führung zu der Überzeugung, "dass die Mannschaft nach dieser Saison ohne sportlichen Erfolg noch einmal verstärkt werden muss", wie Möllemann betonte: "Wir müssen ein Team haben, dass im neuen Stadion ab 2001 international spielt."

Schon in der vergangenen Saison hatten die Gelsenkirchener 42 Millionen Mark für Neuverpflichtungen ausgegeben, um die von Manager Assauer proklamierte Rückkehr in den Europacup zu schaffen. Doch der Erfolg blieb aus. Schalke rutschte am Ende der Spielzeit bis auf Tabellenrang 13 ab, und die Kritik an Trainer Stevens wurde immer lauter.

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