Zweite Bundesliga : Falsche Durchsage

Manfred Amerell kritisiert den Stadionsprecher des FC Augsburg, der DFB verlangt eine Stellungnahme. Beim Spiel gegen 1860 München hatte er über die Lautsprecher eine Schiedsrichterentscheidung kritisiert.

Christian Tretbar

BerlinManfred Amerell traute seinen Ohren nicht. Die Fernsehbilder vom vermeintlichen Freistoßtor Göktans kannte er. Wie der Ball an die Latte knallt und auf der Linie aufprallt, nicht dahinter. Er wusste, dass das Tor zum 1:0 für 1860 München im Zweitligaspiel beim FC Augsburg eigentlich keines war. Doch mit einer Kommentierung der Fehlentscheidung durch den Stadionsprecher Rolf Störmann hatte er nicht gerechnet. Störmann verkündete zur Pause über die Lautsprecher, dass die Fernsehbilder belegten, dass das Führungstor der Gäste irregulär gewesen sei. „Ich dachte, ich höre nicht richtig, denn plötzlich war der Teufel los und die Emotionen kochten hoch“, sagte Amerell, der als Schiedsrichter-Obmann im Stadion war.

Und Amerell war empört. „Das ist ein absolutes Novum in der Bundesligageschichte“, sagte Amerell. Als „verantwortungslos“ bezeichnete er das Verhalten des Stadionsprechers. Zwar beteuerte Störmann nach dem Spiel, nur einen Zettel abgelesen zu haben, den man ihm von Vereinsseite gereicht habe. „Aber wer so etwas abliest, ist einfach unfähig. Ein Stadionsprecher muss die Folgen seines Handelns bedenken, schließlich trägt er am Ende die Verantwortung“, sagte Amerell. Diese Aktion habe sämtliche Bemühungen um Fair-Play und Deeskalation „konterkariert“.

Amerell beschloss zusammen mit Schiedsrichter Thorsten Kinhöfer und dem DFB-Sicherheitsbeauftragten Gerhard Kißlinger, der ebenfalls im Stadion war, die Pause um zehn Minuten zu verlängern. „Das war nötig und hat auch sehr gut geklappt, die Szene beruhigte sich“, sagte Amerell. Doch dann sei dem Stadionsprecher der nächste Fauxpas unterlaufen. „Als die zweite Halbzeit begann, entschuldigte er sich über Lautsprecher, was die Sache nur noch schlimmer machte“, so Amerell. Letztlich habe auch das deutliche Ergebnis von 6:2 für 1860 München zur Beruhigung beigetragen.

Störmann ist kein unerfahrener Sprecher. Seit mehr als 15 Jahren arbeitet er als Moderator unter anderem für einen lokalen Radiosender. Auch als Stadionsprecher ist er seit längerem aktiv, für den FC Augsburg, aber auch für die „Augsburger Panther“ in der Deutschen Eishockey- Liga. Zu dem Fall will er sich jedoch nicht weiter äußern. Nur so viel: „Mir tut die ganze Sache für alle Fußballfans leid“, sagte er dem Tagesspiegel. Er werde die Konsequenzen akzeptieren.

Doch Amerell kritisiert nicht nur das Verhalten des Stadionsprechers. Auch der Verein müsse sich fragen, wie es so weit kommen konnte. „Irgendeiner hätte merken müssen, dass man so eine Durchsage nicht machen kann“, kritisierte Amerell.

Jetzt könnte der Vorfall ein Nachspiel für den FC Augsburg haben. „Der DFB-Kontrollausschuss hat den Verein aufgefordert, zu den Vorkommnissen zeitnah eine Stellungnahme abzugeben, danach wird der Ausschuss entscheiden, wie es weitergeht“, sagte DFB-Pressesprecher Harald Stenger. Die Verantwortlichen des FC Augsburg hatten sich unmittelbar nach dem Spiel für den Vorfall entschuldigt.

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