Zweite Bundesliga : Kaiserslautern im Blick, Berlin im Sinn

Trainer Kjetil Rekdal will mit dem Pfälzern in die Bundesliga aufsteigen – und dann irgendwann zu Hertha zurückkehren.

Daniel Meuren[Kaiserslautern]
Rekdal
Trainer des 1. FC Kaiserslautern Kjetil Rekdal. -Foto: dpa

Am Donnerstagnachmittag hat Kjetil Rekdal erstmals ein Auto hinauf den Betzenberg gesteuert. Auf dem Weg zum Trainingsauftakt im Fritz-Walter-Stadion kam der neue Trainer des Zweitligisten 1. FC Kaiserslautern an Kunstwerken vorbei, die von der Fußball-Besessenheit der Pfälzer zeugen. An einem Kreisel erinnern beispielsweise elf rot angemalte Figuren an die Walter-Elf und die größte Zeit der „Roten Teufel“ in den Fünfzigerjahren. Die Plastikmänner stehen im Kreis. Damit es auch der einfältigste Fußballfreund versteht, ist das Kunstwerk zusätzlich mit „Elf Freunde“ betitelt.

Als eine Einheit wünschen sich die der Nostalgie sehr zugänglichen Pfälzer auch ihr Team der Gegenwart, nachdem in den vergangenen Jahren Egoismus auf dem Spielfeld den Klub von den Höhen des Titelgewinns 1998 bis in die Zweitklassigkeit geführt hat. Im vergangenen Jahr gab der Absteiger dort als Sechster ein ganz schlechtes Bild ab. Mit dem neuen Trainer Rekdal soll nun alles besser werden als unter Vorgänger Wolfgang Wolf. „Ich weiß noch, wie ich hier mit Hertha mal bis zur 75. Minute mit 3:1 geführt habe“, erinnert sich der zwischen 1997 und 2000 in Berlin aktive und geschätzte ehemalige Profi. „Dann haben wir noch 3:4 verloren – vor allem gegen dieses Stadion und die Fans. Da will ich den Verein wieder hinbringen.“ Die geeignete Spielphilosophie für den Weg zurück in eine bessere Zukunft bringt der 38 Jahre alte Trainer mit. In sechs Jahren als Übungsleiter bei Valerenga Oslo erwarb sich Rekdal Renommee, das ihn bei jeder Trainersuche der Hertha in den Vorjahren in den engen Kandidatenkreis brachte. Mit Lierse SK stieg er allerdings zuletzt aus der ersten belgischen Liga ab.

Nun aber ist Rekdal in Kaiserslautern. Dem 83-maligen norwegischen Nationalspieler eilt der Ruf voraus, dass er bedingungslos offensiv agieren lässt. „Ich will, dass meine Spieler Gas geben. Jeder muss Verantwortung übernehmen.“ Genau an solchen Typen fehlt es Rekdal aber im Kader. Trotz all der Schwierigkeiten vor einer Saison in der womöglich stärksten Zweiten Bundesliga aller Zeiten bereut Rekdal seinen Wechsel in die Pfalz keineswegs. „Die Liga ist mehr wert als die belgische Erste, weil man hier mehr Wert legt auf Fußball“, sagt er. „Außerdem habe ich auch in Norwegen in der Zweiten Liga angefangen und Valerenga dann bis zur Meisterschaft geführt.“

Mit Kaiserslautern dürfte ihm das wohl so schnell nicht gelingen – auch wenn Otto Rehhagel das ja vor zehn (Aufstieg) und neun Jahren (Meister) vorgemacht hat. Eher schon könnte Rekdal sich mit erfolgreicher Arbeit in der Pfalz für spätere höhere Weihen in Berlin empfehlen. „Ich habe bei meinem Abschied bei Hertha gesagt, dass ich vielleicht als Trainer zurückkehre“, sagte Rekdal. „Ich würde gerne irgendwann mal den Ruf bestätigen, den ich dort als Spieler hatte.“

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