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Zweite Fußball-Bundesliga : Der 1. FC Union schlägt Kiel 4:3

Da war mächtig was los im Stadion an der Alten Försterei: holpriger Anfang, gutes Ende. Die Berliner sind nach zwei Spieltagen Tabellenführer.

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Wieder drin! Sebastian Polte (l-r), Damir Kreilach und Steven Skrzybski aus Berlin freuen sich nach dem 2:2-Ausgleichstreffer.
Wieder drin! Sebastian Polte (l-r), Damir Kreilach und Steven Skrzybski aus Berlin freuen sich nach dem 2:2-Ausgleichstreffer.Foto: Maurizio Gambarini/dpa

Wann dieses Fußballspiel zwischen dem 1. FC Union Berlin und Holstein Kiel ins Unwirkliche abdriftete, ist nicht mehr vollständig auszumachen. Vielleicht war es zwischen der elften und der sechzehnten Minute, vielleicht irgendwann zwischen der zwanzigsten und der dreißigsten. Vielleicht war es aber auch gleich zu Beginn, als Union, der Aufstiegsfavorit wie ein wild gewordener Stier wütend und schnaubend anrannte und Holstein Kiel, der Aufsteiger, unbeeindruckt wie ein Torero sein Tuch schwang, indem er einfach weiter spielte und kombinierte als sei das nun wirklich kein großes Ding.

Unions Trainer Jens Keller stand dann Mitte der ersten Halbzeit einfach nur noch da, die Hände vor der Brust verschränkt und starrte gebannt auf dieses surreale Treiben da vor ihm während auf der Tribüne die Fanlager beider Seiten vor Freude auf und ab hüpften. Dass Keller später wieder zu sich fand lag an der wesentlich kontrollierteren zweiten Halbzeit und dem Umstand, dass seine Mannschaft diesen Boxkampf ohne Deckung nach Toren 4:3 (3:3) für sich entschied und im zweiten Spiel der Saison zum zweiten Sieg kam. Zumindest für eine Nacht sind die Berliner damit Tabellenführer der Zweiten Liga. Bis dahin war es aber ein schweres Stück Arbeit. „Für die Fans war es ein Spektakel, aber immer vier Tore zu schießen, dürfte nicht ganz so einfach werden“, sagte Keller.

Die erste Halbzeit dieses denkwürdigen Spiels muss den 21.242 Zuschauern wie Fußball aus dem Märchen vorgekommen sein. Sechs Tore, drei auf jeder Seite, Torraumszenen in Masse, gut und gerne hätte es auch 5:5 stehen können. Fouls gab es kaum und auch keine Karten, ein Feuerwerk an Offensive und Fairness. In einer besseren Welt würden wohl alle Spiele so ablaufen und als der Stadionsprecher das 0:0 der anderen Begegnung zwischen Sandhausen und Ingolstadt verkündete, gab es von den Rängen mitleidiges Raunen.

Kiel hatte sich in der ersten Halbzeit doch etwas verausgabt

Die Wahrheit war aber, dass sich Kiel in diesen atemberaubenden 45 Minuten, in denen die Mannschaft zwei Mal durch Kingsley Schindler und ein Eigentor von Kristian Pedersen in Führung gegangen und durch Dominick Drexler zum Ausgleich gekommen war, doch etwas verausgabt hatte. Natürlich war es verlockend gewesen, dass hohe Tempo mitzugehen, weil Union ja auch gewähren ließ.

Die schnellen Ausgleichstreffer durch Damir Kreilach und Steven Skrzybski gaben der Mannschaft genau so wenig Sicherheit wie die kurzzeitige Führung durch Simon Hedlund. Der Ball lief, das schon. Aber defensiv ging die Stabilität vom Auftaktsieg in Ingolstadt völlig ab. „Wir müssen schnell analysieren, was da passiert ist. Wir haben die Räume nicht gut verteidigt und schnelle Konter bekommen. Das darf nicht passieren“, sagte Sebastian Polter.

Trainer Keller vertraute trotzdem auch zur zweiten Halbzeit seiner enorm offensiv eingestellten Mannschaft, die eigentlich nur über vier richtige defensive Feldspieler verfügte. Der Mut des Trainers sollte sich schnell auszahlen. Kurz nach Wiederbeginn spielte Kreilach einen halbhohen Ball in den Strafraum auf Steven Skrzybski. Der Angreifer nahm gekonnt an und schloss dann per Dropkick zum 4:3 ab – ein Tor, wunderschön anzusehen und passend zu diesem Spiel.

Mehr Risiko wollte Keller dann aber nicht gehen und nahm Kapitän Felix Kroos vom Feld. Dafür warf er Stephan Fürstner als Stabilisator in den immer noch hin- und herwogende Schlagabtausch. Und lag damit wieder richtig. Kiel schwanden immer mehr die Kräfte und das Entkommen aus dem engmaschigen Netz aus Pressing und Gegenpressing der Berliner wurde immer schwerer. Torchancen gab es fast nur noch für die Berliner und das die keine mehr davon nutzen konnten war die eigentliche Überraschung dieses kuriosen Sommerabends im Stadion an der Alten Försterei.

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