Zweite Liga : 1. FC Kaiserslautern: Aufstieg mit Verzögerung

Dank Augsburgs Unentschieden am Sonntag kann der 1. FC Kaiserslautern nach vier Jahren doch noch die Rückkehr in die Bundesliga feiern.

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Party mit Fremden. Die Fans des 1. FC Kaiserslautern feiern den Aufstieg in Frankfurt mit der Mannschaft des FSV, die dem FC Augsburg ein Unentschieden abtrotzte. Foto: dpa Foto: dpa
Party mit Fremden. Die Fans des 1. FC Kaiserslautern feiern den Aufstieg in Frankfurt mit der Mannschaft des FSV, die dem FC...Foto: dpa

Einen besseren Ort hätte es wohl kaum geben können, um den Aufstieg zu feiern. In einem Restaurant im Rathausturm hoch über der Stadt brach um kurz vor halb vier am Nachmittag der Jubel los. Dort hatten sich Klubchef Stefan Kuntz und die Mannschaft des 1. FC Kaiserslautern eingefunden, um die am Freitag ausgefallene Party doch noch nachzuholen. Weil der Tabellenführer der Zweiten Liga 0:1 gegen Rostock verloren hatte, musste er am Sonntag auf fremde Hilfe hoffen. Am Ende passt es zur wechselhaften Geschichte des pfälzischen Klubs, dass es ein Aufstieg mit Verzögerung wurde. Vier Jahre nach dem Abstieg erfüllte sich der Traum von der Rückkehr in die Bundesliga erst durch das 1:1 des Konkurrenten FC Augsburg beim Abstiegskandidaten FSV Frankfurt. Am Bornheimer Hang in Frankfurt feierten rund 1000 Fans des FCK den Aufstieg, in Kaiserslautern jubelten die Spieler den Anhängern vom Rathausbalkon zu.

„Was in uns vorgeht ist schwer in Worte zu fassen“, sagte Kuntz. „Der Aufstieg lässt uns wieder Hoffnung schöpfen. Wir haben den Menschen den Glauben an den FCK zurückgegeben. Das ist für uns alle neben der Freude über den Aufstieg das beste Gefühl.“ Vor allem für den früheren FCK-Profi dürfte sich mit dem Aufstieg ein Traum erfüllt haben. Als Kuntz im April 2008 mit einer emotionalen „Herzblutkampagne“ antrat, um den maroden Klub zu retten, schwebte Lautern in der Zweiten Liga in Abstiegsgefahr. „Das Vertrauen zum FCK war schlicht weg – bei den Fans, der Stadt, dem Land und anderen Partnern“, erinnert sich Kuntz, dem es als Integrationsfigur gelang, eine neue Begeisterung zu entfachen.

Ruhiger aber wird sein Job in den kommenden Monaten kaum werden. Der Aufstieg war ein Kraftakt, und dennoch ist er die einzige Chance, die dem Verein eine Perspektive bietet. „Nur durch einen Aufstieg ist eine Sanierung möglich“, sagt Kuntz, der vor kurzem eine letzte unliebsame Überraschung als „Gruß aus der Vergangenheit“ verkraften musste: Das Finanzamt forderte eine Steuernachzahlung von 3,2 Millionen Euro. „Wir müssen wieder Dinge ausbaden, für die wir nichts können“, sagte Kuntz. „Jedes weitere Jahr in der Zweiten Liga aber wäre schwer zu verkraften gewesen.“

Schon in dieser Saison war Erfindungsreichtum gefordert. Kuntz ersann ein auf die Finanzprobleme zugeschnittenes Modell der Leih- und Leasingspieler. Von den sechs Leihprofis ist der frühere Berliner Rodnei inzwischen gekauft. Bei Georges Mandjeck (Stuttgart), Sidney Sam (HSV) Ivo Ilicevic (Bochum), Markus Steinhöfer (Eintracht Frankfurt) und Daniel Pavlovic (Schaffhausen) muss Trainer Marco Kurz abwarten. Torjäger Erik Jendrisek dürfte kaum zu halten sein.

Stefan Kuntz und dem erfolgreichen Trainer Marco Kurz wird nichts anderes übrig bleiben, als „mit wenigen Mitteln wieder eine gute Mischung zu finden“, wie der Klubchef sagt. Das Vertrauen in Kurz ist gewachsen, seitdem der dem Spiel der Kämpfertruppe Struktur und Linie verpasst hat. Trotzdem wird weiter über eine Namensänderung des „Fritz-Walter-Stadions“ nachgedacht, die zusätzliches Geld in die Kassen bringen könnte. Die Mietminderung für die Arena fiel weniger groß aus als erhofft. 1,8 Millionen Euro Nachlass hatte sich der Klub von der Stadiongesellschaft der Stadt erhofft, es wurden nur 1,2 Millionen. Der Aufstieg verschafft nun etwas Luft.

„Ich hatte mir alles nicht so schwer vorgestellt“, sagte Stefan Kuntz. „Aber heute ist ein Tag, der für manches entschädigt.“ In den Gassen der Altstadt holten die Fans gestern die Party in einer spontanen Light-Version nach. Genug Bier war in den Kellern der Kneipen noch vom Freitag vorhanden. Die offizielle Aufstiegsparty wird erst am 9. Mai steigen. Dann soll auch das Aufstiegsbier fertig sein, das passend zu den Vereinsfarben rötlich eingefärbt ist.

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