Zweite Liga : 1. FC Union verliert gegen Fürth mit 0:4

Kritische Berichte über die Stasi-Vergangenheit des Präsidenten ärgern den Berliner Zweitligisten offenbar mehr als die 0:4-Niederlage gegen Fürth. Trotz der Pleite gab es von den Anhängern keine Unmutsbekundungen.

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Alles läuft schief. Eine bittere Woche für den Verein wird von der Pleite gegen Fürth gekrönt. Da fällt die Verwarnung von Christian Stuff nicht ins Gewicht.
Alles läuft schief. Eine bittere Woche für den Verein wird von der Pleite gegen Fürth gekrönt. Da fällt die Verwarnung von...Foto: dpa

Berlin - Das Stadion An der Alten Försterei war gut gefüllt, und so nutzte Christian Arbeit die ungeteilte Aufmerksamkeit der Fans: „Unioner! Ich weiß nicht, ob irgendjemand von euch überhaupt noch Zeitung liest?“, fragte der Stadionsprecher des 1. FC Union. Gellende Pfiffe ertönten von den Rängen. „Es gibt da was, das wir besprechen müssen. Ich glaube, dass wir uns die Dinge nicht von Leuten erklären lassen müssen, die damals gar nicht hier waren und irgendwann im Laufe ihres Lebens nach Berlin gekommen sind. Ich bin froh, dass der Verein von Leuten regiert wird, die ihn gut kennen und die Dinge hier auch beurteilen können.“ Dann sprach Arbeit noch von der DDR und dem Leben im einstigen Arbeiter- und Bauernstaat. Die Fans, zu DDR-Zeiten als regimekritisch bekannt, begleiteten die Ausführungen des Sprechers mal mit Pfiffen, mal mit Jubel.

Und so war schon vor dem Spiel zwischen dem 1. FC Union und Greuther Fürth, welches die Gäste mit 4:0 (2:0) gewannen, klar, dass es an diesem Tag nicht nur um Fußball gehen würde. Hinter dem Berliner Zweitligisten liegt eine turbulente Woche. Am Dienstag war bekannt geworden, dass Unions Präsident Dirk Zingler seinen Wehrdienst beim Wachregiment „Feliks Dzierzynski“ geleistet hatte. Die Einheit gehörte zum Ministerium für Staatssicherheit und da die Anhänger der Köpenicker der Stasi traditionell ablehnend gegenüberstehen, barg die Angelegenheit einige Brisanz. Aufgedeckt hatte Zinglers Vergangenheit ein Journalist, der aus Südbaden stammt und nicht in der ehemaligen DDR aufgewachsen ist. Der Adressat von Arbeits Rede zu Beginn war also klar.

Beim 1. FC Union gibt man gern die Wagenburg, welche allen Widerständen der modernen Fußballwelt trotzt – auch in diesem Moment. Die Ausführungen ihres Stadionsprechers wurden vom Publikum zwar kommentiert, aber wirklich zu interessieren schien das Thema Zingler nicht. Es gab keine Sprechchöre und kaum gut sichtbare Bekundungen pro oder gegen den Präsidenten, der am Sonnabend nicht unter den 15 004 Zuschauern im Stadion weilte. Erst in der Halbzeitpause hissten einige Fans ein Spruchband für den Präsidenten. Stattdessen verausgabten sich die Zuschauer beim Unterstützen ihrer Mannschaft.

Obwohl Fürth am Ende zu einem Kantersieg kam, gab es keine Unmutsbekundungen. Vielleicht war die Erwartungshaltung auch nur nicht hoch, denn von fünf Spielen gegen den Angstgegner konnte Union seit 2009 keines gewinnen.

Dabei ging es gut los. Silvio und Simon Terodde vergaben gleich zwei gute Möglichkeiten. Kurz darauf traf Heinrich Schmidtgal mit einem Freistoß in die Torwartecke zur Fürther Führung. Nur wenig später baute Oliver Occean den Vorsprung noch aus. Und hätten Christopher Nöthe und Tayfun Pektürk den Ball jeweils allein vor Unions Schlussmann Marcel Höttecke im Tor untergebracht, das Spiel wäre schon nach 20 Minuten entschieden gewesen. Als Oliver Occean kurz nach dem Seitenwechsel das dritte Tor für Fürth erzielte, war dann alles klar. Doch Union kämpfte, die Mannschaft spielte gut nach vorn und kam zu Chancen. Markus Karl vergab nach einer Stunde aus bester Position. Fürth war da schon in Unterzahl, weil Schmidtgal nach einem erneuten Foul zuvor den Platz verlassen musste. „Nach der Gelb-Roten Karte hatte ich noch Hoffnung, weil die Mannschaft immer an sich geglaubt hat“, sagte Unions Trainer Uwe Neuhaus.

Union drängte, doch an diesem Tag wollte nichts gelingen. Bezeichnenderweise scheiterte zuerst Torsten Mattuschka mit einem Foulelfmeter an Fürths Torwart Max Grün, später verwandelte Bernd Nehrig auf der anderen Seite vom Punkt zum 4:0. Die Fans ließen sich die Laune trotzdem nicht verderben und feierten ihren 1. FC Union. Allen Ereignissen zum Trotz.

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