Zweite Liga : Augsburgs Zehn-Jahres-Plan

Unions heutiger Gegner FC Augsburg war schon bankrott – inzwischen hat er es zur Erstligareife gebracht

Peter Waldberg[Augsburg]

Diese Geschichte soll sich nicht wiederholen: eine Mannschaft in die Bundesliga schießen, aber selbst nicht mit aufsteigen. So ist es Michael Thurk ergangen, 2004, als er am letzten Spieltag mit zwei Toren den FSV Mainz 05 in die erste Liga beförderte, aber anschließend heulend in der Kabine saß. Er hatte sich zuvor für einen Wechsel zum FC Energie Cottbus entschieden, der aber den Aufstieg verpasste. Diesmal hat Thurk vorgesorgt.

Seinen Vertrag beim Zweitligaklub FC Augsburg hat er gerade bis 2012 verlängert, und es könnte sein, dass er am letzten Spieltag gemeinsam mit seinen Mannschaftskollegen feiern kann. Augsburg strebt Richtung erste Liga, und dafür hat gerade Thurk viel getan. 19 Tore hat er in dieser Saison in 19 Spielen geschossen und führt damit die Torjägerliste der Zweiten Liga an. Beim 1. FC Union (13 Uhr, Stadion An der alten Försterei) wollen die Augsburger der Bundesliga wieder ein Stück näher kommen.

Darauf scheint der Klub gut vorbereitet zu sein. In der Winterpause gab der FC Augsburg einige Spieler ab und verpflichtete dafür den Holländer Youssef El-Akchaoui und die bundesligaerfahrenen Nando Rafael (früher Hertha) und Daniel Baier (VfL Wolfsburg). Seine Rolle als potenzieller Aufsteiger hat der FC Augsburg längst angenommen.

Es wäre die Fortsetzung einer besonderen Aufstiegsgeschichte. Im Jahr 2000 übernahm der Textil-Unternehmer Walther Seinsch den bankrotten Regionalligisten, dem kurz zuvor die Lizenz entzogen worden war, in der Bayernliga – nicht allein aus Leidenschaft, sondern auch aus wirtschaftlichem Kalkül. Seinsch, Gründer von Billigtextilgeschäften , wollte in der drittgrößten Stadt Bayerns seinen Traum von einem Bundesliga-Klub verwirklichen. Am Anfang schrieb er noch Briefe des Vereins auf seiner eigenen Schreibmaschine und steckte einiges von seinem Vermögen in den Klub. Schon damals machte Seinsch klar, dass der große sportliche Erfolg nur mit einem neuen Stadion gelingen würde.

Erst noch wegen der ehrgeizigen Ziele belächelt, stellte sich jedoch der Erfolg ein in Augsburg. Dank vieler neuer Spieler und namhafter Trainer wie Ernst Middendorp oder Armin Veh, kletterte der FCA empor. 2006 gelang nach 23 Jahren wieder der Aufstieg in die Zweite Liga, 2007 begann der Bau des neuen Stadions. Sportlich lief es dann aber nicht mehr ganz so rund. Nach dem Rücktritt von Trainer Hörgl hatte Manager Andreas Rettig mit der Auswahl seiner nachfolgenden Trainer kein großes Glück. Ralf Loose und Holger Fach hatten keinen Erfolg. Erst mit der Verpflichtung von Jos Luhukay scheint der FCA einen Glücksgriff getan zu haben. Dem Holländer gelang zuerst der Klassenerhalt und in dieser Saison dann der Höhenflug. Im Juli wurde das 45 Millionen Euro teure Stadion eingeweiht.

Mit Luhukay zog auch der Erfolg in die Fußball-Arena. Zusammen mit Manager Rettig stellte er eine erstligataugliche Mannschaft zusammen, die glänzend in die Rückrunde gestartet ist. Drei Spiele, drei Siege, Platz drei. Klubchef Seinsch hält sich derzeit allerdings etwas zurück. Er wird wegen Depressionen behandelt, wie er in einem offenen Brief erklärte.

Der nächste große Tag für den FC Augsburg rückt jedoch schon näher. Am Mittwoch empfängt der Klub im Viertelfinale des DFB-Pokals den 1. FC Köln. Das neue Stadion wird dann mit 30 000 Besuchern zum ersten Mal in einem Pflichtspiel ausverkauft sein.

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