Zweite Liga : Das Licht von Osnabrück

Die gefürchtetste Waffe, über die der VfL Osnabrück verfügt, muss das Licht sein. Hertha BSC gastiert bei jener Mannschaft, die in Abendspielen seit fünfeinhalb Jahren ungeschlagen ist.

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Berlin - Eine der drolligsten Geschichten des deutschen Profifußballs der Gegenwart besagt, dass es immer dann, wenn das Flutlicht im Stadion in Osnabrück angeschaltet wird, für die Gegnerschaft dunkel wird. Seit fünfeinhalb Jahren, so haben die lila-weißen Vereinschronisten herausgefunden, hat der VfL kein Flutlichtspiel mehr zu Hause verloren. Zuletzt gab es vor zwei Wochen ein 0:0 gegen den Karlsruher SC. 12.400 Zuschauer sahen zwar ein grauenhaftes Fußballspiel, doch die schöne Serie hielt.

Mal sehen, wie lange noch. An diesem Freitagabend gastiert Herthas BSC im früheren „Stadion an der Bremer Brücke“, das zwischenzeitlich nach dem Vereinspräsidenten Piepenbrock benannt war und seit 2004 den Namen eines Telekommunikationsunternehmen trägt. Der Tabellenführer aus Berlin muss sich aber einiges einfallen lassen, will er nicht Enttäuschendes erleben wie beim bislang letzten Auswärtsspiel vor zwölf Tagen in Paderborn. Dort mussten die Berliner ihre erste Saisonniederlage einstecken. Ohnehin tut Hertha sich auf fremden Plätzen schwerer als daheim, wo das Team aggressiver und mutiger auftritt.

„In letzter Zeit ist ein Schlendrian reingekommen. Wir haben dagegen gehalten, da hat sich die Qualität durchgesetzt“, hatte Herthas Trainer Markus Babbel nach dem jüngsten Heimspielsieg über den VfL Bochum erleichtert gesagt. Doch auch in diesem Spiel zeigte Hertha die Unzulänglichkeit, sich nach der Führung zurückzuziehen. Babbel kann dieses Verhalten nicht abschließend erklären, sondern stellt lediglich Vermutungen an, wenn er sagt: „Erstmal hat man ein Glücksgefühl, wenn man in Führung geht. Dann ist man vielleicht nicht mehr bereit, so viel zu tun, weil man denkt: Wir haben ja schon ein Tor geschossen. Das ist gefährlich.“

Wie gut, meint Babbel, dass den Gästen nicht der mögliche Ausgleich gelungen war. „Wir sind keine Mannschaft, die reagieren kann. Dann kriegen wir Probleme“, sagt Herthas Trainer. Sein Team schaffe es zu selten, Ball und Gegner ein Spiel lang über 90 Minuten zu dominieren. Was sich in Paderborn rächte, soll in Osnabrück nicht passieren.

Wenn überhaupt, dann ließe sich den Gastgebern eine gewisse Heimstärke nachsagen. Der VfL punktete in der bisherigen Saison fast ausschließlich zu Hause. Doch die Osnabrücker kämpfen gegen den Abstieg. Der VfL ist Herthas letzter Hinrundengegner aus der unteren Tabellenhälfte. Anschließend warten auf Hertha nur noch gut platzierte Gegner wie Duisburg, 1860 München, Aue und Augsburg. Herthas Torwart Marco Sejna sieht seine Vorderleute für den Endspurt bis Weihnachten gerüstet. Nach dem jüngsten Sieg über Bochum sagte er: „Die Konkurrenz hat gesehen, dass mit uns wieder zu rechnen ist.“

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