Zweite Liga : Dynamo Dresden: Tradition kann eine Geißel sein

Dynamo Dresden hat die Tradition, die RB Leipzig fehlt. Die Randale der Dresdener Fans hat aber nicht die schlechtesten Argumente geliefert für den Plastikklub aus Leipzig. Ein Kommentar.

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Nach dem Abpfiff entrollten die Dynamo-Fans ein Spruchband mit der Aufschrift: "Ihr habt eine Stunde, um unsere Stadt zu verlassen."
Nach dem Abpfiff entrollten die Dynamo-Fans ein Spruchband mit der Aufschrift: "Ihr habt eine Stunde, um unsere Stadt zu...Foto: dpa

Der gute alte Fußball ist sich einig in seiner Ablehnung, was RB Leipzig betrifft, diesen von österreichischer Brause alimentierten Plastikklub ohne jede gewachsene Fankultur. Hat nichts da oben zu suchen, sagt der gute alte Fußball. 40 000 Leipziger haben vor einer Woche den Aufstieg in die Zweite Bundesliga gefeiert – alles seelenlose Eventfans, argumentiert der gute alte Fußball. Ende der Diskussion.

Dynamo Dresden hat die Tradition, die RB Leipzig fehlt. Es ist nur leider so, dass diese Tradition dem eigentlichen Daseinszweck eines Fußballklubs nicht immer förderlich ist. Am Sonntag ist Dynamo Dresden aus der Zweiten Bundesliga abgestiegen, und der Mob im Fanblock hat diese Gelegenheit zu einer ganz eigenen Performance genutzt. Böller und Leuchtraketen und Nebelkerzen sind auf den Rasen geflogen, dazu wurde ein Transparent enthüllt mit der Aufschrift: „Ihr habt eine Stunde, um unsere Stadt zu verlassen.“ Die Dresdener Fans sind aus der jüngeren und älteren Vergangenheit einschlägig vorbelastet, da lassen sich schwerlich Argumente finden zu ihrer Verteidigung.

Fangewalt ist kein Problem, das allein Dynamo Dresden zu verantworten hat, der Fußball an sich oder die Spezies Traditionsvereine. Gewaltbereitschaft sucht und findet ihr Ventil. Es ist nur so, dass die, ähm, erlebnisorientierte Jugend sich bei eben diesen Traditionsklubs am wohlsten fühlt, wenn sie zum Fußball geht und danach Spaß haben will an der etwas heftigeren Party. Das passiert nicht nur in Dresden oder Rostock, es passiert auch in Frankfurt oder Hamburg. Natürlich wird an all diesen Standorten engagierte Fanarbeit geleistet. Aber dem hohen moralischen Anspruch der traditionsbewussten Fans werden, ja können nie alle von ihnen gerecht werden.

Welcher Dresdener Familienvater mag nach dem, was am Sonntag passiert ist, noch gern mit seinen Kindern zu Dynamo gehen? Niemand ist moralisch verpflichtet, sich einem Restrisiko auszusetzen, und sei es noch so minimal. Die vergangenen Tage in Sachsen haben nicht die schlechtesten Argumente geliefert für den Plastikklub aus Leipzig. Im Sinne all derer, die zum Fußball gehen, weil sie einfach nur Fußball sehen wollen.

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