Zweite Liga : Fast alle Mannschaften können aufsteigen

Die Zweite Liga steht vor einer der ausgeglichensten Spielzeiten in ihrer Geschichte. Zehn bis zwölf Klubs können sich berechtige Hoffnungen auf dem Aufstieg machen.

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Das erste Zweitligator 2015/16. Kaiserslauterns Kacper Przybylko trifft am Freitag aus kurzer Distanz zum 1:0 gegen Duisburg.
Das erste Zweitligator 2015/16. Kaiserslauterns Kacper Przybylko trifft am Freitag aus kurzer Distanz zum 1:0 gegen Duisburg.Foto: dpa

An die Anstoßzeit könnte er sich problemlos gewöhnen, sagt Trainer Norbert Düwel. Am Sonntag startet seine Mannschaft, der 1. FC Union um 15.30 Uhr mit einem Heimspiel gegen Fortuna Düsseldorf in die neue Zweitliga-Saison. Halb vier, das ist der Zeitpunkt, an dem seit Jahrzehnten die meisten Spiele der Fußball-Bundesliga beginnen.

Der 1. FC Union würde nur zu gern regelmäßig um 15.30 Uhr spielen, die Bundesliga ist das erklärte Ziel. Sollten die Trainer der anderen siebzehn Zweitligisten Recht behalten, dann stehen die Chancen auch gar nicht schlecht, dass den Berlinern am Ende tatsächlich der Aufstieg in die höchste deutsche Spielklasse gelingt. Union zählt für viele Experten zu den Favoriten. Einem exklusiven Kreis gehören die Berliner damit aber nicht automatisch an.

Die Saison 2015/16 könnte eine der ausgeglichensten in der Geschichte der Zweiten Liga werden (alle Spiele hier bei uns im Live-Ticker). „Jeder hat mindestens acht bis zehn Mannschaften auf dem Zettel“, sagt Düwel. Unions Trainer nennt Kaiserslautern, Nürnberg, Braunschweig, Fürth, Leipzig, Düsseldorf oder Karlsruhe, „alles gefühlte Erstligisten“. Natürlich wolle er mit seiner Mannschaft auch mitmischen, „aber das möchten Freiburg, Paderborn, Bielefeld oder Duisburg auch“. „Der Kreis derer, die nicht infrage kommen, ist auf jeden Fall kleiner“, sagt Düwel.

Jede Mannschaft in der Liga umwehen Zweifel

Der Grund, warum Unions Trainer und die meisten seiner Kollegen eine Vielzahl an Aufstiegsanwärtern nennen, ist, dass in dieser Spielzeit niemand perfekt zu sein scheint. Jede Mannschaft umwehen Zweifel. Auch RB Leipzig, für viele Außenstehende der größte Favorit, wird kaum spielend leicht durch den Wettbewerb flanieren.

Leipzig hat 23 Millionen Euro in die Mannschaft investiert – mehr als jeder andere Klub in der Liga und auch mehr, als die meisten Bundesligisten. Prominentester Neuzugang ist Davie Selke, der in der vergangenen Saison neun Tore für Werder Bremen geschossen hat. Aber Selke wird sich wie viele seiner meist sehr jungen Mitspieler erst an die raue Gangart und das physische Spiel in der Zweiten Liga gewöhnen müssen. RB hatte bereits in der abgelaufenen Spielzeit mehr Probleme in dieser körperbetonten Spielklasse, als den Verantwortlichen lieb war. Der erhoffte Durchmarsch in die Bundesliga gelang nicht – trotz des hohen Etats.

In Freiburg und Paderborn kamen keine finanzstarken Absteiger aus der Bundesliga, beide Vereine verloren einen Großteil ihrer Leistungsträger und gehen mit viel neuem Personal in die Saison. Es dürfte etwas dauern, bis sich die Mannschaften eingespielt haben.

Kaiserslautern gewann zum Auftakt souverän in Duisburg

Der Karlsruher SC und der 1. FC Kaiserslautern wirken von der Mannschaftsstruktur her gefestigt, viel wird aber davon abhängen, ob beide bis zum Ende der Transferperiode nicht noch Leistungsträger verlieren. Erst am Donnerstag hatte Kaiserslautern seinen U-21-Nationalspieler Philipp Hofmann an den FC Brentford verkauft, gewann tags darauf aber klar 3:1 (3:0) beim Auftaktspiel in  Duisburg.

Beim 1. FC Union sind keine Transferaktivitäten mehr angedacht, die Mannschaft steht. Auch das könnte ein Vorteil für die Berliner sein. Neun Neuzugänge muss Trainer Düwel integrieren, aber die Teamstruktur ist deutlich gefestigter als vor der vergangenen Saison.

Beim 1. FC Union hoffen sie, eine ähnliche Rolle spielen zu können wie Greuther Fürth, Eintracht Braunschweig, der SC Paderborn oder zuletzt Darmstadt 98. All diesen Klubs gelang der Aufstieg in den vergangenen vier Jahren mit eingespielten Mannschaften, deren herausragende Qualität die Teamchemie war. Im Gegensatz zu Union waren diese Klubs, abgesehen von Fürth, im Vorfeld aber echte Außenseiter gewesen. „Das spricht für die Ausgeglichenheit der Liga“, sagt Düwel.

Vieles sei möglich für seine Mannschaft, wenn der Start gelinge. Denn ein guter Start, das zeige die Vergangenheit, könne eine Mannschaft weit tragen. Womöglich bis in die Bundesliga. Das gilt auch für den 1. FC Union.

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