Zweite Liga : Union will lieber geheim bleiben

Der 1. FC Union weigert sich beharrlich, die Rolle als Zweitliga-Spitzenreiter anzunehmen. Spieler und Trainer geben sich selbstbewusst, über das Thema Aufstieg will in Köpenick aber niemand öffentlich reden.

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Willkommen in der Wagenburg. Die Mannschaft des 1. FC Union funktioniert derzeit hervorragend, das Thema Bundesliga-Aufstieg scheint die Köpenicker deshalb eher zu stören.
Willkommen in der Wagenburg. Die Mannschaft des 1. FC Union funktioniert derzeit hervorragend, das Thema Bundesliga-Aufstieg...Foto: dpa

Dirk Zingler hatte sich weit von seiner Reisegruppe entfernt. Der Präsident des Fußball-Zweitligisten 1. FC Union stand in der Schlussphase der Partie beim FC Ingolstadt allein in einer Ecke der Haupttribüne des Sportparks der Gastgeber. Der 49 Jahre alte Vereinschef konnte in der Schlussphase offensichtlich nicht mehr hinschauen. Zingler zitterte um die knappe 1:0-Führung seiner Mannschaft. Erst als sich die dreiminütige Nachspielzeit dem Ende nährte, wagte er sich unter einem Vorsprung hervor. Aber im Moment des Abpfiffs schlug das Zittern in stürmisches Hochreißen der Arme um. Ruckzuck kehrte Zingler zu seinen Begleitern im unteren Bereich der Tribüne, unter ihnen Vizepräsident Jörg Hinze, zum gemeinsamen Jubeln zurück.

Ob dies zu den Erfolgsritualen beim 1. FC Union gehört, der inzwischen seit sechs Begegnungen ungeschlagen ist und dadurch die Tabellenführung in der Zweiten Liga übernommen hat? Eine Nachfrage dazu wehrte der Verein ab, Platz eins in der Tabelle und alle damit verbundenen Ambitionen sollen so wenig wie möglich thematisiert werden. Alle Union-Mitarbeiter seien zwar am Montag mit einem Lächeln durch die Gegend gelaufen, doch der Tabellenführer ist eben auch im Understatement Spitze. Das Wort Aufstieg steht zwar nicht auf dem Index, aber darüber reden in der Öffentlichkeit wollen auch die für den Höhenflug verantwortlichen Spieler nicht. „Wir müssen sehen, dass wir Platz eins in den nächsten Wochen rechtfertigen. Wir haben vielleicht das Quäntchen Glück, in dieser Saison als Mannschaft stabiler zu sein, auch auswärts“, meint Torhüter Daniel Haas. „Die Liga ist jedoch unglaublich eng, die Lage kann sich an einem Spieltag ändern. Es kann immer sein, dass man noch mal einbricht.“

In den vergangenen Begegnungen sah es aber nicht danach aus. Gegen den FC St. Pauli (3:2) holte Union im Stadion An der Alten Försterei furios einen 0:2-Rückstand auf. In Ingolstadt überstanden die Berliner auch die erste schwächere Halbzeit schadlos. Durch den 1:0-Erfolg konnte sich die Mannschaft von Kapitän Torsten Mattuschka erstmals in dieser Saison über eine Begegnung ohne Gegentor freuen. „Es freut mich auch für Daniel Haas und unsere Abwehr, dass wir zu null gespielt haben. Das ist ganz wichtig für unser Selbstvertrauen“, sagte Siegtorschütze Sören Brandy. „Nach sechs ungeschlagenen Spielen in Folge haben wir uns eine breite Brust erarbeitet.“

Trainer Uwe Neuhaus weigert sich, die Frage zu beantworten, ob seine Elf aktuell auch die stärkste der Liga ist. Dagegen spricht, dass im Saisonverlauf die Aufstiegsfavoriten Greuther Fürth, 1. FC Köln und 1. FC Kaiserslautern noch nicht zu den Kontrahenten der Köpenicker gehörten. Allerdings ist Union seinem Ruf als Geheimfavorit bislang durchaus gerecht geworden. Die eingespielte Mannschaft hat durch Neuzugänge wie Damir Kreilach, Sören Brandy und Benjamin Köhler einen Qualitätsschub erhalten. Ältere Spieler wie Mattuschka und Angreifer Adam Nemec wollen es auch noch mal wissen. Reservisten wie Mittelfeldspieler Christopher Quiring und Stürmer Simon Terodde wollen wieder häufiger spielen und erhöhen damit den Konkurrenzkampf.

„Die Spieler glauben daran, dass wir jede Partie gewinnen können. Das ist schon beim Aufwärmen zu spüren“, sagt Trainer Uwe Neuhaus. „Wir genießen die Tabellenführung und freuen uns auch auf nächsten Freitag, bleiben aber auf dem Boden und arbeiten weiter vernünftig.“

Im Spitzenspiel gegen die Fürther im eigenen Stadion gibt es für Union die nächste Reifeprüfung. „Das wird ein absolutes Highlight für uns. Fürth hatte das erste Negativerlebnis in diesem Jahr und ist vielleicht ein bisschen verunsichert“, sagt der defensive Mittelfeldspieler Michael Parensen. „Wir wollen Fürth zeigen, dass wir eine gute Mannschaft sind und uns nicht verdrängen lassen.“

Dann könnte auch Präsident Dirk Zingler wieder zum Jubel mit den Kumpels ansetzen.

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