Zweiter Tag im Ryder Cup : Event ersetzt Erholung in Gleneagles

Der exklusive Erholungsort in Schottland hat sich für eine Woche Ryder Cup in eine Event-Area verwandelt. Ein Stimmungsbericht vom zweiten Tag, an dem Team Europa seine Führung ausbaut.

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Ganz normaler Wahnsinn. Ein kostümierter Fan am Rande des Ryder Cups. Foto: dpa
Ganz normaler Wahnsinn. Ein kostümierter Fan am Rande des Ryder Cups. Foto: dpaFoto: AFP

Gleneagles - 7.30 Uhr morgens. Es ist ein sonniger Herbsttag im Örtchen Auchterarder, als Amy den Coffeshop Cocoa mitten in der High Street aufschließt. Sie hat die Öffnungszeiten während des Ryder Cups erweitert, Aushilfspersonal angeheuert, ihre Kuchenproduktion aufgestockt. Der Ryder Cup mit bis zu 50 000 Zuschauern pro Tag – das heißt eigentlich Big Business für die Orte in der direkten Umgebung. Übervolle Restaurants, ausgebuchte Hotels, lange Schlangen vor Pubs und verstopfte Straßen.

Die High Street von Auchterarder ist an diesem Morgen genauso leer wie Amys Coffeeshop. Die Zufahrtsstraße zum Centenary Course von Gleneagles, fünf Fahrminuten entfernt, liegt ruhig in der Sonne. Kaum Autos. Ab und an ein Bus. Andrew, Mitte 60, schiebt seinen Golfwagen über den Gehweg. Er wird Golf spielen im Auchterarder Golf Club direkt neben Gleneagles wie jeden Samstag. Er ist früh aufgewacht, seit 6.30 Uhr fliegen Helikopter in Serie über die Stadt, um Geschäftsleute und Vips in Gleneagles abzusetzen.

Der 40. Ryder Cup, bei dem das Team Europa nach dem zweiten Tag mit 10:6 führt, ist ein Event der besonderen Art. Eine Großveranstaltung mitten im hohen Norden von Schottland. Dort wo sich kleine Straßen durch die Ausläufer der Highlands schlängeln. Dort, wo jeder Logistiker verzweifelt, wenn er hört, dass hier eine Sport-Großveranstaltung mit tausenden Fans pro Tag, Fernsehstationen und Liefertrucks stattfinden soll.

Trotzdem hat die PGA European Tour den Ryder Cup zum ersten Mal seit 1973 wieder nach Schottland vergeben. Die finanziellen Versprechungen des schottischen Tourismusministeriums, gepaart mit der Wirtschaftsmacht des Unternehmens Diageo, dem das Gleneagles Resort seit 1997 gehört, und das vor allem mit Bier und Whisky sein Geld macht, gaben den Ausschlag. Das Luxusresort mit seinen drei Golfplätzen, dem Sterne-Restaurant und seinem für 4,5 Millionen Pfund umgebauten Spa dient als Quartier für die Teams der USA und Europas. Leicht erhöht thront das riesige graue Steingebäude über einem Areal, das vollgepflastert ist mit Merchandise-Zelten und riesigen Video-Leinwänden.

Der exklusive Erholungsort hat sich für eine Woche in eine Event-Area verwandelt, für deren Besuch man sich schon vor zwei Jahren um Tickets bewerben konnte. Wer glaubt, er könne sich ein Ticket zum größten Golf-Turnier der Welt schnell an der Tageskasse kaufen, irrt. Eintrittskarten, die an den Spieltagen 120 Pfund kosten, wurden nur vorab über Zwischenhändler oder online ausgegeben.

Golf ist immer ein Teil des täglichen Lebens der Schotten gewesen. Schulklassen sind einen Tag beim Ryder Cup, Omas im Rollstuhl werden von Familienangehörigen auf die Anlage gefahren. Und die Topflappen mit Ryder-Cup-Logo, der Schlafanzug mit Europa-Aufdruck, all das kann dem golfaffinen Schotten nur ein leises Lächeln abringen. Golf, das ist der Sport, den die Bewohner Auchterarders schon spielten, als es das Hotel Gleneagles noch gar nicht gab. Der Ryder Cup beschert ihnen einen neuen Bahnhof und ein anständiges Mobilfunknetz.

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