Zweitliga-Relegation : Rostocks allerletzte Chancen

Zweitligist Hansa Rostock kämpft in den Relegationsspielen gegen den FC Ingolstadt um mehr als das sportliche Überleben. Bei einem Abstieg droht der Verein in der Versenkung zu verschwinden.

Kerstin Hebeler
Künstler vor dem Abgang. Stürmer Fin Bartels (vorne) wird Hansa nach den Spielen gegen Ingolstadt wohl verlassen.
Künstler vor dem Abgang. Stürmer Fin Bartels (vorne) wird Hansa nach den Spielen gegen Ingolstadt wohl verlassen.Foto: dpa

Lautstark treibt Hansa-Trainer Marco Kostmann seine Mannschaft in diesen Tagen immer wieder an. Es geht um „das Projekt“, wie Kostmann sagt. Das Projekt, das vollen Einsatz verlangt. Das Projekt namens Klassenverbleib. Den will sich der Zweitligist aus dem Norden sozusagen in der Nachspielzeit sichern und tritt am Freitag (20.15 Uhr, live in BR und NDR) zum Relegationshinspiel beim Drittligisten im Süden, dem FC Ingolstadt, an. Am Montag folgt der zweite Teil der Mission mit dem Rückspiel in Rostock. „Ich freue mich auf die zwei Begegnungen“, sagt Kostmann. „Vor nicht allzu langer Zeit gab es die Möglichkeit der Relegation noch nicht. Da wären wir als Tabellen-16. der Zweiten Liga abgestiegen.“

Rostock hat zwei allerletzte Chancen, um nach einer völlig schrägen Saison das Schlimmste zu verhindern. Kostmann glaubt an sein Team. „Ich habe nicht das Gefühl, dass hier irgendetwas auseinander fällt“, sagt der Trainer. „Wir werden als ein Team auftreten.“ Von dem vielleicht intakten Mannschaftsgefühl abgesehen, scheint in Rostock jedoch seit längerer Zeit einiges auseinander zu fallen, und zwar nichts weniger als der Verein. Ein Abstieg würde für den mit rund neun Millionen Euro verschuldeten Klub voraussichtlich den Abschied aus dem Profifußball für lange Zeit bedeuten. Nicht nur, dass der Etat auf 7,5 Millionen Euro geschrumpft werden müsste: Nur etwa eine Handvoll Spieler hat derzeit Verträge für die 3. Liga, Leistungsträger stehen vor dem Absprung. So vermeldete das „Hamburger Abendblatt“, dass sich Stürmer Fin Bartels mit dem FC St. Pauli über einen Wechsel einig sei.

Der Klub kämpft nach den Ausschreitungen in Düsseldorf um sein Image

Auch die Vereinsführung wird sich bald verändern. Der Interims-Vorstandsvorsitzende Jörg Hempel steht nur bis Ende Juni zur Verfügung. Manager René Rydlewicz ist nach dem Trainer-Hickhack rund um die Entlassung Andreas Zachhubers und den fehlenden sportlichen Erfolg umstritten. Fraglich ist zurzeit, ob Marco Kostmann in der nächsten Spielzeit weiter als Cheftrainer die Verantwortung tragen wird. Für Rostock geht es nicht nur um das sportliche Überleben. Der Klub kämpft nach den Ausschreitungen rund um das Spiel in Düsseldorf einmal mehr um sein Image und gegen gewaltbereite Problemfans. „In unserer Außendarstellung sind wir durch kriminelle Elemente so ziemlich am Nullpunkt angekommen“, sagte Klubchef Hempel angesichts der Randale in Düsseldorf, bei denen Polizisten und Ordner verletzt sowie 159 Menschen festgenommen wurden. Hempel kündigte einen Strategiewechsel beim Umgang mit der radikalen Fanszene an: „Wir haben Kommunikation statt Konfrontation betrieben – diese Kommunikation ist jetzt zu Ende.“ In Kürze soll ein „Masterplan“ mit Experten erarbeitet werden, um der Gewalt Herr zu werden. Denkbar ist, dass der Verein zunächst einmal zu Auswärtsspielen keine Fans zulässt.

Beim Relegationsspiel in Ingolstadt muss der Verein laut DFB-Sportgerichtsurteil auf jeden Fall auf seine Anhänger verzichten – und ist dabei inklusive Geldstrafen von mehreren zehntausend Euro noch gut weggekommen. Das befürchtete Geisterspiel vor leeren Rängen im Rückspiel ist Hansa erspart geblieben. „Wir haben noch ein Mal alles in unserer eigenen Hand“, sagt Kostmann. Ein letztes Mal.

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