Zweitliga-Start : Im Zeichen der Schlabberhose

Torwart Gabor Kiraly und Trainer Peter Neururer sind den meisten Fans ein Begriff, aber die Zweite Liga startet ohne Stars in die neue Saison. Dafür aber mit neuen Stadien.

Mathias Klappenbach
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Alter Bekannter. Gabor Kiraly, früher Hertha, spielt jetzt zweitklassig.Foto: Fishing4

Gabor Kiraly ist von der Qualität in der Zweiten Liga ganz angetan. „Von meinen Hosen bei 1860 bin ich überzeugt, der Stoff fühlt sich exzellent an“, sagte der ehemalige Torwart von Hertha BSC der „Abendzeitung“. Nachdem er vor fünf Jahren die Bundesliga verlassen hatte, spielte der Ungar für eine Reihe von Vereinen in England, ehe er im vergangenen Winter als Ersatztorwart bei Bayer Leverkusen nach Deutschland zurückkehrte. Jetzt ist er mit seinen grauen Schlabberhosen eine der markantesten Figuren in der Zweiten Liga, die am Freitagabend bereits vor dem Auftaktspiel der Bundesliga in die Saison startet und ab jetzt auch samstags mittags spielt.

Eine sportliche Attraktion soll Kiraly beim zweitbesten Münchner Fußballverein sein, und zudem als Typ Volksnähe herstellen. Auf seinem zur Hose farblich nur bedingt passenden Torwarttrikot stand in der Vorbereitungszeit „Hoffnungsträger“. Es wäre allerdings etwas übertrieben gewesen, wenn man Gabor Kiralys Oberkörper so plakativ verkauft hätte. Der Schriftzug zierte die Trikots aller Spieler von 1860, weil sich partout kein Trikotsponsor auftreiben ließ. Der hat sich in der vergangenen Woche dann doch noch gefunden, es ist derselbe wie schon in den Jahren 2000 bis 2005.

In der Zweiten Liga weiß man, was man hat. Die Bundesliga ist 99,5 Prozent der Deutschen ein Begriff, die Zweite Liga hat eine Markenbekanntheit von 90 Prozent. Die Begriffe DFB-Pokal und Champions League sagen nur 84 beziehungsweise 77 Prozent der Menschen etwas.

In der Infrastruktur holt die Zweite Liga das nach, was eine Liga höher schon seit ein paar Jahren Standard ist. Die Fans haben das Stadion des 1. FC Union saniert, in Aachen, Augsburg und beim FSV Frankfurt wurden neue Stadien gebaut, die natürlich jeweils als „Schmuckkästchen“ gelobt werden.

Es sind Projekte, die vor der Weltwirtschaftskrise angestoßen wurden. 1860, seit Jahren in einer prekären Finanzlage, bekommt vom neuen Trikotsponsor 300 000 Euro weniger als vom alten, drei Klubs haben kurz vor dem Saisonstart noch keinen. Die Eigenkapitalquote ist bei den Fußball-Unternehmen der Zweiten Liga erschreckend niedrig, gerade im Vergleich zur Bundesliga, die sich in den vergangenen Jahren ein kleines Stück weit entschuldet hatte und jetzt auch die Krise deutlich zu spüren bekommt.

So setzt die Zweite Liga auch in dieser Saison auf das, was sie noch mehr als die Bundesliga auszeichnet: Spannung. Acht Teams können sich Hoffnungen auf den Aufstieg machen, zudem spielen Energie Cottbus, Hansa Rostock und der 1. FC Union so etwas wie die ostdeutsche Meisterschaft aus. Markante Figuren wie Kiraly gibt es trotz der großen Bekanntheit der Liga dabei gar nicht so viele, ein Begriff dürfte den meisten noch Kiralys Trainer Ewald Lienen oder dessen Kollege Peter Neururer vom MSV Duisburg sein.

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