Sport : Zweitligareif

Beim 0:3 gegen Cottbus zeigt sich Bayer desolater denn je

Christoph Bertling

Leverkusen. Der Anspruch war klar formuliert: „Nr. 5 lebt – jetzt geht’s los“ hatten die Fans auf ihre Transparente gedruckt. Jetzt, wo Jens Nowotny nach 270 Tagen wieder als Abwehrchef eingreifen würde, konnte nichts mehr schief gehen, glaubten sie. Er würde den Spuk mit dem Abstiegskampf schon aus der BayArena verbannen und der Mannschaft zu altem Glanz verhelfen – fing doch die ganze Misere erst mit dem Kreuzbandriss des Abwehrchefs an.

Der kollektive Wunsch sollte eine Utopie bleiben, zumindest beim Rückrundenauftakt gegen Energie Cottbus, der „Intensivstation der Liga“, wie Energie-Trainer Eduard Geyer sein Team jüngst selbst betitelt hatte. 0:3 ging Bayer an diesem feuchtkalten Abend gegen den Tabellenletzten unter – ein Ergebnis, mit dem Geyer „nie gerechnet hat“ und das Bayer-Trainer Klaus Toppmöller Worte wie „Riesenenttäuschung“ und „Abstiegskampf pur“ entlockte.

Bayer enttäuschte auf der ganzen Linie, schon in der ersten Hälfte gab es nur eine Chance für die Heimelf – Nowotny scheiterte per Kopf an Energie-Torhüter André Lenz (14.). Zudem zeigte die Bayer-Abwehr erneut große Unsicherheiten, die sich auch auf Torwart Jörg Butt übertrug. Einen harmlosen Schuss des starken Marco Gebhardt ließ er zur Gästeführung durch die Hände gleiten (15.). „Dieser Treffer war der Knackpunkt“, sagte Toppmöller, „wir sind zusammengebrochen." Cottbus nutzte derweil clever die sich bietenden Räume und Chancen. Marko Topic erhöhte auf 2:0 (32.), nachdem Juan ihn nicht am Torschuss gehindert hatte.

Obwohl Bayer noch eine Stunde Spielzeit hatte, war dies bereits die Entscheidung. Die Heimelf blieb auch in der zweiten Halbzeit nahezu chancenlos, die Abwehr löchrig. Die größte Gelegenheit zu verkürzen hatte Franca (72.), der jedoch aus fünf Metern an Lenz scheiterte. Eine weitere Unsicherheit der Dreierkette nutzte hingegen der eingewechselte Andrzej Juskowiak (85.) zum 0:3. „Wenn wir noch eine Chance haben wollen, müssen wir uns sehr steigern“, sagte Toppmöller, dessen Niedergeschlagenheit bald trotzigem Zweckoptimismus wich. „Wir schaffen das noch. Nowotny braucht noch seine Zeit, aber wir schlagen schon nächste Woche zurück.“ Die Fans waren weniger zuversichtlich. Schon eine Viertelstunde vor Schluss hatten viele Bayer-Fans die Arena verlassen. Nur die Nr.-5-Plakate hatten sie im Nieselregen liegen lassen – wie Relikte einer längst vergangenen Zeit.

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