Sport : Zwietracht am Tag der Einheit

Galopp in Hoppegarten: starke Pferde, wenig Geld

Hartmut Moheit

Berlin - Ein Hauch von großem Galoppsport weht am Montag noch einmal über die Rennbahn in Hoppegarten. Bei den Namen der Hengste, die Manduro, Soldier Hollow, Near Honor und Boule d’Or heißen, horcht jeder Freund des Turfs sofort auf. „Mit diesem Quartett können wir beim Volkswagen-Preis der Deutschen Einheit so ziemlich das Beste aufbieten, was derzeit in Deutschland galoppiert“, bewertet Artur Boehlke das Feld für das morgige Hauptereignis. Soldier Hollow unter William Mongil ist „Pferd des Jahres“, Manduro (Terence Hellier) vor seinen Wachstumsproblemen als Derby-Favorit und Boule d’Or (Nigel Day) aus England, der Vierjährige, trumpfte im vergangenen Winter in Dubai groß auf.

Damit hat es sich dann allerdings schon mit dem Positiven für dieses mit 50 000 Euro dotierte Rennen über 2000 Meter, das um 17 Uhr gestartet wird, denn mehr Pferde werden dabei nicht in der Startbox stehen. „Da hat die Qualität dieses Quartetts weitere Nennungen verhindert“, sagt Boehlke, „das ist schade, denn wir brauchen dringend einen schönen Renntag, keine negativen Schlagzeilen.“ Dass im siebten Rennen des Tages alle Pferde ins Geld laufen werden, wird die Wetter nicht gerade in Scharen an den Totalisator ziehen. Dennoch hofft der 67 Jahre alte Boehlke, der seit 57 Jahren auf der Galopprennbahn in Hoppegarten tätig ist, dass in den übrigen acht Rennen (erster Start um 13.30 Uhr) genügend Geld in die Kasse kommt, „um die Kosten für den Renntag decken zu können“. Allein für Rasenpflege und Heckenschnitt werden 9000 Euro fällig. Mit einem Blick zum grauverhangenen Himmel wünscht sich der langjährige Geschäftsführer: „10 000 Besucher, das wäre für uns eine gute Resonanz.“ Es wäre das Signal, dass diese traditionsreiche Grasbahn eine Zukunft hat.

Für 2006 wurden schon mal vorsorglich zwölf Renntage angemeldet. Ob sie stattfinden können, und wenn ja, wer sie ausrichten wird – diese Fragen kann derzeit niemand beantworten. Der Union- Klub von 1867 als Betreiber ist insolvent, ohne die Zustimmung von Insolvenzverwalter Wolfgang Wutzke geht nichts. Während Wutzke nun hofft, dass die EU-Kommission in Brüssel Fördergeld für Hoppegarten bewilligt „und danach die Landesregierung in Potsdam in ein Stiftungsmodell einzahlt“, spricht die Stimme des Volkes rund um die Rennbahn vom Totalversagen des Union- Klubs. Von deutscher Einheit ist nicht viel zu spüren, denn die Schuld für den Niedergang in Hoppegarten wird damit den „Wessis“ zugeschoben. Warum machen wir das in Zukunft nicht selbst, statt des nach einem Insolvenzverfahren entschuldeten Union-Klubs, wird gefragt. Artur Boehlke, der nach dem Rücktritt des Union-Klub-Geschäftsführers Hauke Wilkens im Auftrag des Insolvenzverwalters derzeit alles organisiert, antwortet dann: „Leute, ihr könnt euch bewerben, aber ohne viel Geld habt ihr keine Chance.“ Kernstück eines zukunftsträchtigen Projekts auf dem 207 Hektar großen Gelände ist eine neue Haupttribüne. Die Modellzeichnung des für das Sponsoring wichtigen Projektes hing bis Donnerstag noch in Wilkens Büro, der die Angriffe auf sich und den Klub als „ungerechtfertigt“ ansieht. Am Montag wird er sich nach zwei Jahren endgültig verabschieden und mit zwiespältigen Gefühlen den zum 15. Mal ausgetragenen Preis der Deutschen Einheit verfolgen.

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