• Zwischen dem Niveau der Deutschen Eishockey Liga (DEL) und der Nationalmannschaft liegen Welten

Sport : Zwischen dem Niveau der Deutschen Eishockey Liga (DEL) und der Nationalmannschaft liegen Welten

Claus Vetter

Für Hans Zach hat die Angelegenheit inzwischen nationale Tragweite: "Wir müssen entscheiden, ob wir deutsches Eishockey wollen oder Eishockey in Deutschland", sagt der Bundestrainer. Ein Ausspruch, der an manchem Stammtisch sicher besser aufgehoben wäre als in der Öffentlichkeit, zumal es um Sport und damit vornehmlich um Unterhaltung geht. Trotzdem, dass zwischen dem Niveau der Deutschen Eishockey Liga (DEL) und der deutschen Nationalmannschaft Welten liegen, ist offensichtlich. Die Liga gehört unbestritten zu dem Besseren, was die Eishockey-Welt zu bieten hat, die deutsche Auswahlmannschaft ist in der internationalen Rangliste derzeit auf Position 19 zu finden.

Vier Testspiele hat die Mannschaft von Hans Zach in den letzten Tagen absolviert. Zwei knappe Niederlagen gegen die Slowakei, zwei knappe Siege über Österreich. Die Resultate sind akzeptabel, können dennoch keinen Aufschluss darüber geben, wo die Reise der Auswahl des Deutschen Eishockey Bundes (DEB) hingeht. Nach Absagen der wenigen erfahrenen deutschen Cracks, die in der DEL als Leistungsträger agieren, hatte Hans Zach eine Truppe junger Nobodys ins Rennen geschickt. Die "neuformierte Nationalmannschaft", sie war weniger Konzept, als ein aus der Not geborenes Unterfangen. Dessen war sich auch Zach bewusst: "Ich habe hier viele Spieler im Kader, die nicht oder selten in der Liga spielen." Und die Aufstellung las sich für den neutralen Betrachter dann mitunter ein wenig abenteuerlich. Ein Rechenbeispiel: Die zwölf Stürmer, die Zach im ersten Spiel gegen die Slowakei auflaufen ließ, haben zusammen in dieser Saison in der DEL zwölf Tore erzielt. Im Aufgebot der Slowakei stand mit Josef Cierny auch ein Akteur, der in der DEL sein Geld verdient. Der hatte für Nürnberg bereits halb soviel Treffer erzielt, wie der gesamte Sturm des Gegners.

"Ich bringe immer 20 Mann aufs Eis, die kämpfen." Der trotzige Schlachtruf des Bundestrainers richtete zumindest in den Testspielen gegen die Slowakei und Österreich keinen Flurschaden an. Zach pocht darauf, dass er mit dem auskommen muss, was da ist, dem "Rest von Spielern, die nach den vielen unglücklichen Verkettungen der letzten Jahre übrig geblieben sind". Freilich, Zachs Experimente finden nicht in einem Vakuum statt. "Unser gesamtes Handeln ist auf die Weltmeisterschaft 2001 ausgerichtet", sagt Franz Reindl, Sportdirektor des DEB. Ob es da vielleicht nicht doch sinnvoll wäre, mit den wenigen in der DEL tätigen erfahrenen deutschen Akteuren wie etwa Thomas Brandl, Klaus Merk oder auch dem zuletzt in blendender Form agierenden Peter Draisaitl noch einmal das Gespräch zu suchen? Auf keinen Fall, sagt der Bundestrainer, denn: "Ich trauere keinem Menschen nach."

Ob Zachs Starrköpfigkeit auf dem Wege zur Weltmeisterschaft im eigenen Lande, konstruktiv ist, wird sich zeigen. Die Schar der Zweifler ist jedenfalls groß. Zach habe sich jahrelang als "Messias des Deutschen Eishockeys" aufgespielt, nun müsse er zeigen, wie weit es damit her sei, frotzelt beispielsweise Rekord-Nationalspieler Udo Kießling. Der Bundestrainer entfleucht den Kritikern geschickt, indem er seinen Akteuren das Etikett des Außenseiters anhaftet. Im Februar, beim Vorqualifikations-Turnier zur Olympiade 2002 muss die DEB-Auswahl den ersten Platz belegen, um im Geschäft zu bleiben. Zach sieht es anders. Auch ein dritter Platz wäre angesichts der starken Gegnerschaft (Slowenien, Bulgarien und Italien) keine Katastrophe. "Inzwischen spielen doch fast schon mehr Italiener als Deutsche in der DEL, so weit sind wir schon." Das ist den meisten Verantwortlichen in der DEL ohne Frage egal. Kurzfristiges Erfolgsdenken ist angesagt. Der Nachwuchs ist oft nicht mehr als ein lästiger Posten im Vereinsetat, die Einkaufstour im Ausland erfordert weniger Energie als die jahrelange Ausbildung eines Spielers aus der eigenen Jugend. Solange sich daran nichts ändert, dürfte der freie Fall der Nationalmannschaft nicht zu bremsen sein. Da helfen auch martialische Sprüche von Seiten des Bundestrainers nicht.

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