Sport : Zwischen den Fakten

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Busan/Daegu. Nein, das Wort Diskriminierung fällt nicht. Das hat im Zusammenhang mit Südafrika einen bedeutungsvolleren Gehalt. Schließlich geht es in Asien auch nur um Fußball. Aber Hans Vonk, weißer südafrikanischer Torwart der WM-Auswahl seines Landes schaut unglücklich, wenn die Fakten genannt werden. Der Mann vom niederländischen Uefa-Cup-Teilnehmer SC Heerenveen, 1998 zum ersten Mal für Südafrika zwischen den Pfosten, ist zurzeit nur zweite Wahl für Nationaltrainer Jomo Sono. Unter dem portugiesischen Trainer Carlos Queiroz machte er alle Länderspiele. „Der beste Keeper des afrikanischen Kontinents“, urteilte Journalist Mark Gleeson aus Südafrika in der niederländischen Zeitung „Volkskrant“. Ganz objektiv ist diese Meinung freilich nicht.

Südafrikas Trainer Sono stellte vor dem Auftaktspiel der Südafrikaner gegen Paraguay den dunkelhäutigen Andre Arendse ins Tor. Der machte seinem fachlich eher mäßigen Ruf alle Ehre, unterlief mehrere Flanken und machte beim Führungstor Paraguays alles andere als eine glückliche Figur.

Vonk hat seine eigene Theorie über die vergangenen vier Jahre in der südafrikanischen Auswahl: „Wenn man sich die Trainer ansieht, ist ein Zusammenhang sichtbar. Das ist das einzige, was ich sagen will. Mit einem europäischen Trainer machte ich bei der letzten WM in Frankreich mit, unter Molotto verlor ich meinen Platz während des Afrika Cups 2000, beim nächsten Afrika-Cup spielte ich wieder unter einem europäischen Trainer - und jetzt sitze ich wieder auf der Bank bei einem lokalen Trainer. Das sind die Fakten."

Fakt ist aber auch, dass die Apartheid in Südafrika der Vergangenheit angehört. Das wird gerade bei einem Blick auf die Mannschaft deutlich, zu der Weiße, Mischlinge und Farbige gehören. Dazu hat nicht zuletzt auch der 46-jährige Jomo Sono seinen Teil beigetragen. Mit dem Geld, das er bei Cosmos New York verdiente, kaufte er schon 1982 einen weißen Fußballklub in Johannesburg, die Highlands, die er schnell umbenannte in Jomo Cosmos.

Dort ist er immer noch der Chef. Der südafrikanische Trainer verkauft seine Spieler in ganz Europa. Ein südafrikanischer Journalist meint: „Jomo Cosmos ist wie eine Wurstfabrik.“ Einen jungen Mann ns Aaron Mokoena nahm er als 17-Jährigen mit zur Weltmeisterschaft nach Frankreich - und verkaufte ihn später an Ajax Amsterdam. In gewissem Maße ist der südafrikanische Trainer also sogar ein Vermittler zwischen den Kulturen.

Doch selbst das und die Patzer von Arendse lassen Hans Vonk, der in Südafrika geboren wurde, als seine Eltern dort kurz lebten, nicht auf eine Chance hoffen. „In Afrika sehen sie den Torhüterjob anders. Ein Keeper ist gewissermaßen ein Ballabwehrer. Und man sieht aufs Resultat“, sagt Vonk. „Das 2:2 wird wie ein Sieg gefeiert.“ Und auch in Südafrika kennt man die bekannte Sport-Weisheit: Never change a winning team.

Egon Boesten

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