Sport : Zwischen den Fronten

Der Nahostkonflikt lähmt den Sport in Israel – Spiele im Europacup finden wohl nur auswärts statt

Charles A. Landsmann[Tel Aviv]

Dieser Artikel sollte eigentlich nicht veröffentlicht werden. Denn Itshe Menachem, Präsident des israelischen Fußballverbandes, glaubt, dass Artikel über die aktuelle Situation des Sports in Israel schädlich sind. Er hat die Presse seines Landes aufgefordert, nicht über den Libanonkonflikt im Zusammenhang mit Fußball, der Champions League und dem Uefa-Cup zu schreiben. Die Funktionäre des europäischen Fußballverbandes Uefa könnten bei der Lektüre auf den Gedanken kommen, Fußball in Israel sei zu gefährlich. „Wir warten die Entwicklung ab“, sagte ein Uefa-Sprecher am Samstag. Wie lange noch?

Vergangene Woche noch träumten die israelischen Fußballbosse von Heimspielen des Meisters Maccabi Haifa und von Betar Jerusalem in deren Stadien. Doch nun sind selbst die Uefa-Cup-Heimspiele der beiden Tel Aviver Teams, Pokalsieger Hapoel und Bnei Yehuda, in Gefahr – wegen der Katjuscha-und Raad-Raketen aus dem Südlibanon und der Kassam-Raketen aus dem Gazastreifen.

Erst vor zwei Jahren hatte die Uefa den israelischen Teams wieder erlaubt, ihre Heimspiele in Israel auszutragen, jedoch nur im Großraum Tel Aviv. Haifa und Jerusalem seien zu gefährlich. Bis dahin fanden die so genannten Heimspiele vorzugsweise in Zypern, in der Türkei oder auf Sizilien statt. So musste Manchester United vor vier Jahren für ein Champions-League-Spiel bei Maccabi Haifa nach Nikosia reisen – und verlor 0:3.

Wenn nicht spätestens nächste Woche die Waffen ruhen – und davon ist nach derzeitiger Konfliktlage nicht auszugehen –, spielen die israelischen Mannschaften wieder Hin- und Rückspiel auswärts. Die 0:2-Niederlage von Maccabi Petah Tikva gegen Ethnikos Achnas im UI-Cup am vergangenen Samstag – schon während des heißen Konflikts – wird dann für unbestimmte Zeit das letzte internationale Spiel in Israel gewesen sein.

Im Haifaer Stadion Kiryat Eliezer kann derzeit keinesfalls gespielt werden. Mehrfach täglich schlagen in der direkten Umgebung, der „German Colony“, Raketen ein. Ähnlich wie beim Zweitligisten Hapoel Kirjat Schmonah, wo zuletzt vor Trainingsbeginn ein Einschlagstrichter auf dem Platz aufgefüllt werden musste.

Israels Basketball-Nationalmannschaft wollte ursprünglich diese Woche ihre Vorbereitungen für die Europameisterschaft im kühleren Landesnorden aufnehmen. Seit dort der heiße Krieg tobt, zieht sie einem Zirkus gleich durch die südlicheren Landesteile. Eilat am Roten Meer, die am weitesten von der Raketenbedrohung entfernte Stadt, hat dem Team nun angeboten, das geschlossene Trainingslager bei ihr abzuhalten anstatt, wie geplant, im libanonnahen Nahrija.

Tvrtko Kale, der neue Torwart des Fußballrekordmeisters Maccabi Tel Aviv, lässt sich nicht abschrecken. „Ich gehe nur weg, wenn die mit Panzern vor meinem Haus stehen“, sagt Kale. Der Kroate hat schon einen Krieg erlebt: „Bei Kriegsbeginn hatten wir nur Pistolen und Messer gegen die Bomben und Panzer der Serben.“ Auf seine kroatische Heimatstadt seien 100 000 Bomben niedergegangen. Da rege man sich wegen ein paar hundert Raketen 100 Kilometer entfernt nicht auf.

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