Sport : Zwischen den Welten

Kölns Nationalstürmer Podolski übt Bodennähe

Christoph Bertling[Köln]

Lässig sitzt Waldemar Podolski auf seinem Sofa im Wohnzimmer. Gerade ist der gelernte Schlosser von der Arbeit nach Hause zurückgekommen und spricht wieder einmal über seinen Sohn. „Mit den Kameraleuten und einigen Journalisten bin ich ja schon per Du“, sagt er. Immer wieder klingelt das Telefon oder die silberne Klingel an der Haustür des kleinen Reihenhauses in Bergheim bei Köln. „Ich kann ja die Leute nicht wegschicken“, erklärt Vater Podolski. Und so gibt er „mal vor, mal nach der Arbeit“ Interviews über seinen Sohn, der derweil ungestört in seinem Zimmer sitzt und polnischen Hiphop zur Entspannung hört.

Falls er dafür noch Zeit findet. Denn die Begeisterung um den 19-jährigen Stürmer des 1. FC Köln nimmt nicht ab, sondern eher zu. Seit der Aufsteiger der letzten Saison, der gleichzeitig mit seiner Mannschaft abstieg, den Sprung in die Nationalmannschaft geschafft hat, gilt er den Kölnern als Messias des Fußballs. Tatsächlich ist Lukas Podolski jedoch so etwas wie ein Wanderer zwischen den Welten. Den Fußball-Welten. Am Mittwoch steht er im Nationalkader von Bundestrainer Jürgen Klinsmann und ist Hoffnungsträger für die Nation, danach aber hält er auch als Prügelknabe her. Im Zweitliga-Alltag gibt es schon mal gehörig Schelte von Trainer Huub Stevens und Sondereinheiten auf Aschenplätzen.

Alltag. Das bedeutet für Podolski einen Fehlstart mit seinem Verein. Erst am dritten Spieltag konnten die Kölner gegen Frankfurt erstmals gewinnen. Davor hatten sie gegen Energie Cottbus unentschieden gespielt und gegen Wacker Burghausen verloren. Erst als Podolski wieder traf, wurden die Zeiten rund um das Kölner Geißbockheim rosiger.

Erst traf der Stürmer im Pokal, als er gegen den 1. FC Saarbrücken beim 4:1-Sieg alle Tore schoss. Dann gegen Eintracht Frankfurt. Harte Zeiten hatte Podolski dabei mit der Mannschaft durchgemacht, bis endlich wieder Tore fielen. Trainer Stevens macht seinem Namen als „Schleifer von Köln“ alle Ehre. Mal ließ er die Mannschaft auf einem Aschenplatz trainieren, um ihnen wieder den nötigen Respekt für das Spiel zu verschaffen. Ein anderes Mal moserte Stevens Podolski an, da er noch ein Interview gegeben hatte und somit zu spät in die Kabine kam. Selbst die Tore, die der Nationalspieler jüngst für seinen Verein schoss, genügen Stevens nicht: „Wenn er gegen Frankfurt gut gespielt hätte, hätte er drei Tore gemacht.“ Podolski schoss eins. Stevens will ihn „langsam und seinen Möglichkeiten gemäß vernünftig aufbauen. Nach der Europameisterschaft ist er längst noch nicht wieder der Alte.“ Es fehle die Explosivität.

Gegen einen Auftritt seines Stürmers in der Nationalmannschaft hat der Kölner Trainer aber nichts. „Er soll lernen, mit seinen Kräften umzugehen“, sagt der Übungsleiter. „Außerdem sammelt er so Erfahrung.“ Stevens weiß aber auch, dass Podolski nur schwer in Köln zu halten ist. Das Interesse an der neuen deutschen Stürmerhoffnung wird immer größer. Podolski selbst bleibt ruhig. „Wir müssen als Team auftreten und nicht als Lukas Podolski. Ich bin genauso abhängig von der Mannschaft wie die anderen auch.“

Auch nach dem Brasilien-Spiel wird er „der Gleiche bleiben“, da ist sich Vater Waldemar ganz sicher. Und diese Überzeugung entsteht wohl vor allem aus der Einsicht in die Realitäten. Denn der Vater weiß: „Wenige Tage nach dem Länderspiel in Berlin kickt er vielleicht ja schon wieder auf dem Aschenplatz.“

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