Sport : Zwischen Grinsen und Grausen

Im Daviscup-Abstiegskampf steht es zwischen Deutschland und Weißrussland nach den ersten Einzeln 1:1

Ulrich Hartmann

Sundern. Wer am Freitag wissen wollte, wie es um das deutsche Tennis steht, der musste bloß auf Roberto Blanco achten. Wenn der chronisch gut gelaunte Schlagersänger in der VIP-Box seine strahlend weißen Zähne in die sauerländische Nachmittagssonne bleckte, dann sah es gerade ganz gut aus für das deutsche Daviscup-Team im Abstiegskampf gegen Weißrussland. Mit zunehmender Spieldauer war das allerdings immer häufiger nicht mehr der Fall. Dann ließ der anerkannte Tennisfan den Kopf hängen und blickte drein wie ein Häufchen Elend.

Verlässlich war an diesem Tag nämlich gar nichts im Städtchen Sundern, das mit ein bisschen Pech immer noch zum Waterloo des Deutschen Tennis-Bundes werden könnte. Genau dann nämlich, wenn dieses Relegationsspiel gegen Weißrussland, bei dem es nach dem ersten Tag 1:1 steht und das heute mit dem Doppel von Rainer Schüttler und Nicolas Kiefer gegen Max Mirnyi und Alexander Woltschkow weitergeht, den Niedergang der deutschen Mannschaft in die europäisch-afrikanische Kontinentalgruppe bedeuten sollte. Roberto Blanco jedenfalls pendelte am Freitag zwischen Grinsen und Grausen, musste erst eine Fünf-Satz-Niederlage von Tomas Behrend gegen Max Mirnyi mitansehen und durfte sich dann aber noch über einen erzitterten Fünf-Satz-Erfolg von Rainer Schüttler gegen Wladimir Woltschkow freuen. Zehn Sätze Achterbahn – so aufregend ist Daviscup im Sauerland.

Schon das erste Spiel zwischen dem bislang eher bedeutungslos durch die Tenniswelt lavierenden Tomas Behrend und dem weißrussischen Aufschlag-Ungeheuer Max Mirnyi verlief wie eine klassische Screwball-Komödie. Dabei erspielte sich Tomas Behrend mit grandiosen Returns zunächst eine 2:0-Satzführung. Dann hatte er sogar zwei Matchbälle. Aber am Ende gab es doch nichts zu lachen für Tomas Behrend. Mirnyi wehrte nämlich ungeachtet seiner äußerst fehlerhaften ersten 140 Minuten zunächst beide Matchbälle im Tiebreak des dritten Satzes ab. Anschließend sicherte er sich nicht nur den Tiebreak sondern auch noch die folgenden Durchgänge vier und fünf. Nach drei Stunden und 41 Minuten hatte Tomas Behrend tatsächlich doch noch verloren und konnte für den Rest des Tages ein resignatives Lächeln nicht mehr aus seinem Gesicht verbannen. 5:7, 2:6, 7:6 (8:6), 6:2, 6:4 gewann Max Mirnyi und brachte seine Mannschaft in Sundern mit 1:0 in Führung.

Dieser Sieg, sagte Max Mirnyi hinterher, sei auch deshalb so wichtig gewesen, weil sein Kompagnon Wladimir Woltschkow deshalb im zweiten Einzel viel befreiter habe aufspielen können. Das tat er dann tatsächlich auch. Woltschkow spielte derart befreit, dass er den deutschen Spitzenspieler Rainer Schüttler über vier Stunden und zwei Minuten hinweg und bis in den fünften Satz hinein ärgerte. Am Ende aber konnte der Weißrusse nicht mehr zulegen. Und so kam Rainer Schüttler noch zu einem 6:3, 3:6, 6:7 (3:7), 6:4, 6:4-Erfolg. „Ich habe definitiv alles gegeben. Jetzt lasse ich mich behandeln und pflegen. Und hoffentlich lebe ich morgen früh noch“, sagte ein völlig erschöpfter Schüttler. Er hatte das Spiel gerade noch vor Einbruch der Dunkelheit beendet.

Nach dem ersten Tag dieses Daviscup-Aufeinandertreffens ist also noch alles offen. Und Roberto Blanco muss bis Sonntag weiter zittern.

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