Sport : Zwischen Handeln und Hoffnung

Martin Kloth

Der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) setzt auf schnelles Handeln, Dieter Baumanns Anwalt auf das Prinzip Hoffnung: Nur eine Woche nach der gestrigen Bekanntgabe, dass auch die zweite B-Probe des 5000-m-Olympiasiegers von 1992 einen positiven Doping-Befund erbrachte, wird die Anti-Doping-Kommission des DLV am 6. Januar ihren abschließenden Bericht zum "Fall Baumann" an das Präsidium verfassen. Dagegen gibt sich Michael Lehner, Anwalt des 34-jährigen Langstreckenläufers, weiterhin davon überzeugt, dass Baumann der ihm drohenden zweijährigen Dopingsperre auf Grund von Indizien entgehen kann. "Ich glaube nicht, dass Dieter Baumann gesperrt wird", sagte Lehner.

Doch die Beweislast gegen seinen Mandanten wiegt schwer. Wegen positiver Dopingkontrollen am 19. Oktober und 12. November ist der Europameisterschafts-Zweite über 10 000 m vom DLV suspendiert. Die Analyse der beiden B-Proben am vergangenen Dienstag in Kreischa und am Mittwoch in Köln haben wie allgemein erwartet die ersten Untersuchungsergebnisse bestätigt und nach Verbandsangaben ebenfalls "einen unzulässig erhöhten Nandrolon-Wert" erbracht.

Bereits am 22. Januar will das Präsidium des Deutschen Leichtathletik-Verbandes entscheiden, ob und welche Strafe es für Baumann beim Rechtsausschuss beantragt. "Es wird vermutlich eine zweijährige Sperre beantragen", mutmaßte Clemens Prokop, Rechtswart des DLV, "objektiv ist der Dopingverstoß nachgewiesen."

Ungeachtet dessen, sagt Michael Lehner, glaubt er weiter an einen Freispruch für seinen Mandanten. "Ich habe immer noch die Hoffnung. Im Präsidium sind alles vernünftige Leute, die zu vernünftigen Entscheidungen fähig sind, und Dieter Baumann nicht sperren", erklärte der Anwalt: "Wenn das Präsidium sagt, wir glauben Dieter Baumann, und sie die von mir auszubreitenden Indizien lesen, müssen sie die Suspendierung aufheben."

"Die positiven Dopingproben sind ein starkes Indiz", erkannte der Anwalt an, "wir haben größere Beweismittel." Seine Hoffnung auf Freispruch stützt sich im Wesentlichen auf die mit dem Nandrolon-Vorläufer 19-Norandrostendion versetzte Zahnpastatube, die im Hause Baumanns gefunden und als mögliche Quelle für das anabole Steroid Nandrolon im Körper des Läufers ausgemacht wurde.

Im Zuge der staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen wegen vorsätzlicher Körperverletzung soll nun herausgefunden werden, ob die positiven Dopingproben eindeutig in Zusammenhang mit der manipulierten Zahncreme stehen. "Deswegen sind die Proben in den Labors in Kreischa und Köln auch wieder versiegelt worden", berichtete Baumanns Anwalt.

Zudem erneuerte er die Hypothese, dass die bei Baumann gefundene Tube gar nicht seine ist. "Die Marke hatte er mal gekauft. Ob sie identisch sind, muss angezweifelt werden, weil es ein High-Tech-Anschlag war", meinte Lehner. Wenn jemand beispielsweise im Trainingslager gesehen hätte, welche Sorte Zahncreme sein Mandant benutzt, hätte er ein gleiches Fabrikat kaufen, es manipulieren und dann austauschen können. "Das ist schnell gemacht", sagte der Anwalt.

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