• Zwischen Kenia und Kienbaum Deutsche Leichtathleten geben sich reisefreudig wie selten

Sport : Zwischen Kenia und Kienbaum Deutsche Leichtathleten geben sich reisefreudig wie selten

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Stuttgart (dpa). Portugal und Spanien, Südafrika, USA, Kenia oder auch nur Kienbaum: Die Leichtathleten stecken mitten in der heißen Phase der Saisonvorbereitung und geben sich reisefreudig wie selten zuvor. „Hier waren zu Stoßzeiten fast 40 Athleten“, berichtet Tim Lobinger, HallenWeltmeister im Stabhochsprung, nach seiner Rückkehr aus dem Trainingslager in Südafrika. Trotz des Irak-Krieges hatten sich einige der deutschen Asse nach Amerika aufgemacht. „Uns wurde mitgeteilt, dass wir fahren können“, sagen 400-m-Spezialistin Grit Breuer und ihr Coach Thomas Springstein nach einem 14-tägigen Aufenthalt in Orlando. „Vom Krieg haben wir nur in CNN etwas mitbekommen.“

Noch in Tucson/Arizona befindet sich Mittel- und Langstreckenläufer Wolfram Müller. Der 21-Jährige schwitzt unter anderem zusammen mit David Krummenacker, dem Überraschungssieger über 800 m bei der Hallen-WM von Birmingham. „Überlebenstraining“, sagt seine in Tübingen gebliebene Trainerin Isabelle Baumann ironisch. „Das ist beinhart. Aber Wolfram soll auch ein bisschen Selbstständigkeit lernen.“ Sein Vereinskollege Dieter Baumann sowie Olympiasieger Nils Schumann, Hindernismeister Filmon Ghirmai und 10 000-m-Läuferin Irina Mikitenko waren in Nyahururu/Kenia in der Höhe. Immer häufiger wandeln die deutschen Ausdauer-Spezialisten auf den Spuren der erfolgreichen ostafrikanischen Läufer.

Südafrika ist wegen seiner guten Anlagen in Stellenbosch und des stabilen Wetters kein Geheimtipp mehr. Lobinger hatte sogar mal ein Eigenheim am Kap, verkaufte es aber wieder: „Es ist schwer, mit unserer Sportart zwei Häuser zu finanzieren.“ Die Zeit der Trainingslager, stöhnt der Kölner, sei die unangenehmste im Jahr. „Man braucht jeden Tag eiserne Disziplin.“ Für ihn hat sich die Schinderei aber gelohnt: Beim Meeting am Donnerstag in Albershausen stieg er mit der Weltjahresbestleistung von 5,81 m in die Saison ein. Lobingers Disziplin-Kollegen Danny Ecker, Lars Börgeling und Richard Spiegelburg hatten hingegen etwas Pech: In Barcelona regnete es häufiger, als dem Trio aus Leverkusen lieb war.

Spanien und Portugal sind die klassischen Ziele in der Vorbereitung: Albufeira ist für den fünfmaligen Diskus-Weltmeister Lars Riedel „mittlerweile meine zweite Heimat.“ Seit Ende Januar hält er sich – mit einigen Unterbrechungen – an der Algarve auf. Nach einer langwierigen Schulterverletzung hofft der 35-Jährige auf ein erfolgreiches Comeback. Eine Medaille bei der WM im August in Paris „wäre schon gigantisch“. In Albufeira bereiten sich auch 400-m-Europameister Ingo Schultz und die deutschen Stabhochspringerinnen auf den Sommer vor. Zehnkämpfer Frank Busemann und Weitspringerin Heike Drechsler bevorzugen die Kanareninsel Lanzarote, die anderen Zehnkämpfer sowie die Sprinter um Marc Blume Teneriffa.

Als Alternative zu Flugreisen steht immer noch das Bundes-Leistungszentrum des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) in Kienbaum hoch im Kurs. Ein Hauch von DDR jenseits von Afrika und Amerika. Auch Grit Breuer setzt im zweiten Teil der Vorbereitung auf Bewährtes: Für zwei Wochen fährt sie nach Zinnowitz.

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