Sport : Zwischen Pacult und Happel

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Benedikt Voigt gibt Trainer Kurt Jara den Respekt, den er verdient

Aus aktuellem Anlass seien noch einmal die wichtigsten Ergebnisse aus der T–Mobile Bundesliga vom Samstag erwähnt: Der SK Puntigamer Sturm Graz schlägt im ArnoldSchwarzenegger-Stadion den VfB Admira Wacker Mödling 2:1, SV Josko Ried unterliegt Casino SW Bregenz 1:3, der SV Wüstenrot Salzburg und Liebherr GAK trennen sich 1:1, und FK Austria Memphis Magna . . . Was soll das heißen, österreichischer Fußball interessiert Sie nicht? Über genau diese Einstellung hat sich Kurt Jara zuletzt beschwert. „Ich hatte in Hamburg als neuer Trainer anfangs nicht den Status wie in Österreich“, sagt der Trainer des Hamburger SV, „ich war ein Nobody.“ Was womöglich mit der Qualität des österreichischen Fußballs zusammenhängt, die Rangliste des Fußballweltverbandes führt Austria auf Platz 55.

Kurt Jara hingegen hält sich nicht in einer Rangliste hinter Thailand, Irak oder Trinidad-Tobago auf. Er hat nach dem 3:1 über Schalke 04 in der Bundesliga nur noch drei Mannschaften vor sich, die einen prominenteren Namen besitzen: Bayern München, Borussia Dortmund und VfB Stuttgart. Dann kommt bereits das Team des Österreichers. Inzwischen liebäugelt Hamburg sogar mit einem Champions-League-Platz. Weshalb es an der Zeit ist, dem Österreicher den Respekt zu geben, den er verdient.

Kurt Jara hat es geschafft, aus einem zerstrittenen Haufen eine Mannschaft zu formen, die zusammenhält. Sie spielt erfolgreich, obwohl die spielerischen Mittel beschränkt sind. Zwar sollten Fußball-Ästheten die AOL-Arena besser weiträumig umfahren. Wer aber auf Fußball mit Kampf und Herz steht, der findet in Hamburg-Volkspark die richtige Adresse für sein Hobby. Kurt Jara hat als umsichtiger Trainer bewiesen, dass er zu den wichtigsten Exportgütern des österreichischen Fußballs gehört. Sein Landsmann Peter Pacult versuchte das bei 1860 München auch, doch zumindest als Trainer ist der Wiener erst einmal gescheitert. Einen wie Pacult hat Jara hinter sich gelassen. „Jetzt spielt die Mannschaft erfolgreich und damit rücke auch ich mehr in den Blickpunkt“, sagt Jara. Wenn Anerkennung eine Treppe ist, dann nähert sich der 53-Jährige allmählich einer Stufe an, auf der beim Hamburger SV Ernst Happel steht.

Kann es ein schöneres Kompliment für einen österreichischen Fußballtrainer geben?

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