Sport : Zwischen Schmerz und Stolz

Petrovic und Stanojevic führen Alba Berlin beim 82:76 zum zweiten Play-off-Sieg über Frankfurt

Benedikt Voigt

Berlin. Während seine Kollegen freudig die Arme hochrissen, feierte Quadre Lollis nicht mit. Der Basketballprofi von Alba Berlin lag auf dem Hallenboden und krümmte sich vor Schmerzen. Lollis hatte in der letzten Spielsekunde die Schulter seines Gegenspielers in den Unterleib gerammt bekommen. „Es tut ihm höllisch weh“, sagte Albas Mannschaftsarzt Gerd-Ulrich Schmidt, „und jetzt muss er in der Kabine auch noch die Witze der anderen ertragen.“

Nicht nur bei Quadre Lollis wirkte Alba Berlins 82:76 (44:34)-Erfolg im Play-off-Viertelfinale gegen die Skyliners aus Frankfurt unangenehm nach. „Das Spiel hat viel Kraft gekostet“, sagte Albas Aufbauspieler Mithat Demirel. Sieht man von Lollis ab, überwog aber am Ende die Freude bei Albas Spielern. Obwohl sie 68 Sekunden vor dem Ende mit neun Punkten führte, mussten sie 24 Sekunden vor dem Ende allerdings noch einmal zittern: 78:76. Im dritten Viertel hatte Frankfurt sogar mit zwölf Punkten zurückgelegen. „Wir haben uns immer wieder zurückgekämpft“, sagte Frankfurts Trainer Gordon Herbert, „das werden wir auch am Dienstag machen.“

Dann kann Alba Berlin, das in der Play-off-Serie nach dem Modus Best of five mit 2:1 führt, durch einen Sieg in Frankfurt (20 Uhr) ins Halbfinale einziehen. Verlieren die Berliner, kommt es am Donnerstag um 19.30 Uhr in der Max-Schmeling-Halle zu einem entscheidenden fünften Spiel. So weit will es der amtierende Deutsche Meister allerdings nicht kommen lassen. „Wir müssen jetzt unser Selbstvertrauen behalten“, sagte Trainer Emir Mutapcic.

Von der Haupttribüne aus sah der Jugoslawe Dejan Koturovic, der im letzten Jahr für Alba spielte, wie sich bei seinem alten Klub die Landsleute Vladimir Petrovic (24 Punkte/8 Rebounds) und Jovo Stanojevic (20 Punkte/8 Rebounds) in Szene setzten. „Für mich war es eine große Motivation, dass mein Freund Koturovic da war“, sagte Petrovic. Die Berliner konnten sich auf ihre Freiwurfquote von 90 Prozent verlassen, und in der Schlussphase auch auf Mithat Demirel.

Der Nationalspieler steht seit Play-off-Beginn mit DeJuan Collins (8 Punkte/22 Prozent Wurfquote) in der Anfangsformation. Am Sonntag blieb Demirel lange Zeit unauffällig, doch als es in die entscheidenden letzten drei Minuten (71:69) ging, war der 25-Jährige wieder zur Stelle. Neun seiner 12 Punkte erzielte er in der Schlussphase. Dabei erlaubte er sich auch einen frechen Dreipunktewurf nach einem Einwurf. Frankfurts Pascal Roller (17 Punkte/8 Assists) hatte es ihm zuvor mit einem Treffer aus zehn Meter Entfernung vorgemacht. Wenn es spannend wird, übernimmt Demirel die Verantwortung. Das tat er auch beim Pokalsieg. Nichts Ungewöhnliches, findet der Spielmacher, „ich mache das schon seit Saisonbeginn.“ Dass die Frankfurter mehrmals einen Rückstand wieder aufholten, begründet Demirel mit der Kraft, die das intensive Spiel gekostet hat. Und auch mit der psychologischen Situation. „Niemand erwartet, dass Frankfurt weiterkommt – außer Frankfurt.“

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