Sport : Zwischen seine Daumen passen 227 Zentimeter

SEBASTIAN ARLT

Der Spanier Roberto Dueñas gilt als der talentierteste Center in Europa seit dem Litauer SabonisVON SEBASTIAN ARLT BARCELONA.Es ist schon zu einem Ritual geworden: Immer wenn Roberto Dueñas bei der Basketball-Europameisterschaft ausgewechselt wird oder er nach einem Spiel den Kabinen zustrebt, erheben sich Hunderte zumeist ganz junger Fans - und verneigen sich unter "Dueñas-Dueñas-Dueñas"-Rufen vor ihrem 2,18 Meter großen Meister.Und wenn der lange 21jährige dann jovial zum Gruß die Hand hebt, die etwa die Ausmaße einer Kohlenschaufel hat, flippen die Leute auf den Rängen vollends aus.Dueñas ist für sie zur Kultfigur geworden. Nun ist dieser Basketballer noch lange kein Star und ragt bisher eher wegen seiner Länge aus der spanischen Mannschaft heraus, aber in Spanien haben sie einen neuen Liebling.Und die Basketball-Fachwelt ist sich einig: Der aus Mostolas, einem Vorort von Madrid, stammende Jung-Nationalspieler ist der talentierteste Center, den es seit vielen Jahren in Europa gegeben hat. Einige gehen sogar soweit, ihm eine Karriere wie Arvidas Sabonis zuzutrauen, dem legendären litauischen Center, der jetzt bei den Portland Trail Blazers in der NBA spielt. Um einmal so gut wie der schweigsame Litauer zu werden, ist es für Dueñas zwar noch ein weiter Weg, aber es ist schon erstaunlich, was dieser junge Mann bereits drauf hat.Erst seit kurzem im Nationalteam von Trainer Lolo Sainz, hat er seinen Teil dazu beigetragen, daß Gastgeber Spanien ziemlich problemlos den Einzug ins Europameisterschafts-Viertelfinale geschafft hat und sich auch heute gegen Rußland gute Chancen ausrechnet.Und das, nachdem die Vorbereitungsspiele alles andere als berauschend verlaufen waren.Man hatte vor allem auf der Spielmacherposition große Probleme, ein Part der in den spanischen Klubs der Eliteliga ACB fast ausschließlich von einem der in der ACB erlaubten drei Ausländern übernommen wird.Die nicht gerade zimperliche Sportfachpresse hatte jedenfalls bereits vor der EM die Messer gewetzt.So schrieb "AS" an Sainz gerichtet: "Das macht keinen Spaß, Lolo!" Jetzt haben die spanischen Fans wieder viel Freude - vor allem eben an Dueñas.Er wirkt wie ein tapsiger Bär, erweckt auch durch sein Äußeres etwas den Eindruck eines nicht gerade aufgeweckten Spielers.Doch Bären sind eben unberechenbar. Das haben schon sehr viele Gegenspieler erfahren müssen.Auch so mancher von Alba Berlin, als der Bundesligist gegen den Dueñas-Klub FC Barcelona im Play-off-Achtelfinale der Europaliga ausschied.Die Zuschauer in der Berliner Max-Schmeling-Halle damals staunten nicht schlecht: Gegen Dueñas, dem man eine Spannweite von 2,27 Meter zuschreibt, wirkte selbst Kraftpaket Wendell Alexis doch so ziemlich verloren. "Ich muß noch viel lernen", ist einer der Standardsätze des freundlichen Spaniers.Er liegt mit dieser Einschätzung richtig.In Sachen Erfahrung, Geschick und Technik hat er noch große Defizite. Kein Wunder, denn erst seit seinem 16.Lebensjahr spielt er Basketball.Zu dieser Zeit war er innerhalb eines Jahres um 21 Zentimeter gewachsen.Von Mostolas ging er zum Zweitligisten Fuenlabrada, dann wurde der FC Barcelona auf das Talent aufmerksam.Seit zwei Jahren ist Dueñas bei "Barca", im ersten Jahr wurde er zumeist im Farmteam Coranlla eingesetzt, in der vergangenen Saison kam sein Durchbruch.Noch ist er der große Junge von nebenan geblieben, der sich bei jeder Gelegenheit bei seinem Klub bedankt ("Hier habe ich die Chance meines Lebens bekommen") und der mit dem Bus zum Training fährt, weil er noch keinen Führerschein besitzt. Und da die NBA nicht nur ausgezeichnete Spieler, sondern obendrein auch extraordinäre Typen für ihre Basketball-Show braucht, wurden bald die Späher aus Übersee auf ihn aufmerksam.Vor einer Woche, beim "draft", sicherte sich NBA-Champion Chicago Bulls den Erstzugriff auf den Spanier.Vielleicht rufen die Fans dort eines Tages: "Magic Dueñas!"

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