Sport : Zwischen Trauer und Zuversicht - Reaktionen aus türkischen Zeitungen

Die unglücklich verspielte Direkt-Qualifikation für die EM-Endrunde hat in der Türkei für ein zwiespältiges Echo gesorgt. Nach dem 0:0 gegen Deutschland schwankten die Verantwortlichen zwischen Trauer und Zuversicht. "Wir haben eine große Chance verpasst", sagte Mustafa Denizli nach der starken Vorstellung seiner Mannschaft im Münchner Olympiastadion. "Ich finde keine Worte für meine Trauer", zitierte die Sport-Zeitung "fotoMac" den Nationaltrainer. Dennoch sieht Denizli seine Mannschaft auf dem richtigem Weg: "Nun fahren wir eben etwas später zur Endrunde", kündigte er einen Erfolg in der bevorstehenden Relegation an.

Die türkischen Medien sahen ihre Mannschaft als moralischen Sieger und Deutschland nach mäßiger Leistung als "Hans im Glück" ("Fanatik"). "Wir haben den Deutschen in München eine Fußball-Lektion erteilt", schrieb das Massenblatt "Hürriyet" am Sonntag. "Unsere stark aufspielende Nationalmannschaft hat Deutschland erschüttert, aber nicht zum Einstürzen gebracht", hieß es bei "Milliyet". Eine Karikatur in der gleichen Zeitung zeigte Deutschland als am Boden liegenden Boxer, der vom italienischen Schiedsrichter Pierluigi Collina dennoch zum Sieger erklärt wird.

Die Türkei, die eine Aufnahme in die Europäische Union anstrebt, habe laut "Hürriyet" dieses Mal "noch kein Visum" für die Europameisterschaft in den Niederlanden und Belgien im nächsten Jahr erhalten. Portugal hatte sich nach einem 3:0-Sieg gegen Ungarn auf Grund lediglich eines Tores im Vergleich zur Türkei als bester Gruppen-Zweiter direkt für die Endrunde qualifiziert.

Die Türkei sich auch in punkto Zuschauer als eindeutigen Sieger. "45 000 Türken, 20 000 Deutsche - wie bei uns zu Hause", titelte die Zeitung "Sabah". Während "fotoMac" die Bilder eines roten Fahnen-Meeres zeigte und die Frage stellte, ob es überhaupt Deutsche im Stadion gab, stellte "Fanatik" verwundert fest: "Wo kommen sie nur alle her, diese Türken!" Auch die deutschen Spieler zeigten die Zeitungen am liebsten nach dem Abpfiff in türkischen Trikots. Auf Seite eins der Zeitung "Hürriyet" jubelten Markus Babbel und der von den Türken als "türkischstämmig" bezeichnete Mehmet Scholl im roten Trikot mit Halbmond nach dem glücklichen Unentschieden.

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