Sport : Zwischen Wehmut und Abstiegsangst

Borussia Mönchengladbach spielt im Pokal gegen Dortmund

Stefan Hermanns

Berlin. Das DFB-Pokalspiel gegen Borussia Dortmund könnte ein echter Klassiker werden. Zumindest versucht Borussia Mönchengladbach zurzeit, die Zweitrunden-Begegnung als außergewöhnliches Ereignis zu verkaufen. Weil einen Tag vor dem Spiel am Mittwoch (20.30 Uhr, live im ZDF) noch fast 10 000 Karten zu haben waren, wirbt der Fußball-Bundesligist jetzt damit, dass es sich womöglich um das letzte echte Flutlichtspiel auf dem alten Bökelberg handeln könne, „ein Highlight“, das man nicht verpassen dürfe. Im nächsten Sommer werden die Gladbacher in ihr neues Stadion am Rande der Stadt umziehen. Der Bökelberg wird kurz darauf abgerissen, und auf dem Areal in einer der besten Wohngegenden Mönchengladbachs sollen dann Häuser gebaut werden. Ein wenig Wehmut also umgibt die Begegnung der beiden Borussias.

Mit der neuen Arena für 60 000 Zuschauer verbinden sich die kühnen Hoffnungen der Gladbacher auf eine bessere Zukunft: Mehr Zuschauerplätze plus bessere Vermarktungsmöglichkeiten bedeuten mehr Einnahmen und dadurch eine bessere Mannschaft – so ungefähr sieht die Rechnung aus, die jedoch durch einen unberechenbaren Faktor in Frage gestellt wird – den sportlichen Erfolg. Der schlimmste anzunehmende Unfall für die Gladbacher wäre es, wenn sie ihr erstes Spiel im neuen Stadion als Zweitligist bestreiten müssten.

Nach zehn Spieltagen stehen die Borussen auf dem vorletzten Tabellenplatz der Bundesliga, der Trainer ist bereits rekordverdächtig früh ausgetauscht worden, doch an den schlechten Ergebnissen hat sich nichts geändert. Seit neun Spieltagen ist die Mannschaft ohne Sieg; gewonnen hat sie nur zum Saisonauftakt gegen den 1. FC Köln durch ein Eigentor des Kölners Matthias Scherz. Kein anderes Team in der Bundesliga hat weniger Tore geschossen als die Gladbacher (sechs), und auch unter Holger Fach, dem Nachfolger von Ewald Lienen, hat die Mannschaft in vier Spielen erst zwei Punkte geholt: einen gegen Bochum durch ein Tor in letzter Minute, den anderen gegen die Bayern. Die beiden Auswärtsspiele in Hamburg und in Leverkusen haben die Gladbacher verloren. „Wir werden immer besser, punkten aber nicht“, sagt der neue Trainer. Trotzdem werden nicht nur im Umfeld erste kleine Veränderungen registriert. „Die Mannschaft lebt, die Moral stimmt“, sagt Fach.

Der neue Trainer vertraut auf ein altes System – das des Vorgängers seines Vorgängers Hans Meyer. Während Ewald Lienen seine Mannschaft vor allem in der Defensive massierte und auf die Angriffe des Gegners reagieren ließ, ist Fach wieder zur Vorwärtsverteidigung übergegangen. „Ich möchte nicht so defensiv spielen“, sagt Fach. Er ist froh, „dass wir uns viele Chancen erarbeiten, das ist schon mal das Wichtigste“. Gegen Leverkusen, den Tabellenführer, hatten die Gladbacher am Sonntag sogar die besseren Möglichkeiten. „Daran sollte die Mannschaft anknüpfen und sich gegen Dortmund weiter Selbstvertrauen holen“, sagt Sportdirektor Christian Hochstätter. Allerdings war die Bilanz des Klubs im DFB-Pokal zuletzt nicht besonders erfreulich. Seit dem Pokalsieg 1995 haben die Gladbacher nur zweimal die zweite Runde überstanden.

Viel wichtiger ist ohnehin die Bundesliga. Am Samstag spielt der Tabellenletzte Hansa Rostock auf dem Bökelberg. Da wird es nicht reichen, wenn die Mannschaft wieder gepflegten Fußball bietet. Fach sagt: „Ich werde jeden einzelnen Spieler noch mal wach machen – damit er sich nicht damit zufrieden gibt, wenn die Leute sagen, dass wir jetzt besser spielen.“

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