Sport : Zwischenzeit

Holger Wild

Eine Ehefrau wird ihrem Mann nach Schweden folgen. Eine Studentin erlebt die Schwangerschaft ihrer Schwester. Eine Verlobte richtet das Haus ein, in das sie mit ihrem Mann ziehen wird. Drei Frauen in einer Zwischenzeit. Vielleicht sind sie, allesamt Ich-Erzählerinnen, deshalb so scharfsichtig. „Schwimmbad im Regen“ enthält drei kurze Erzählungen der japanischen Schriftstellerin Yoko Ogawa. Mit Sätzen, die ganz ohne artistischen Ehrgeiz daherkommen. Die scheinbar gleichmütig die Oberfläche des Geschehens wiedergeben, um dann in einem subtilen Detail, einer zarten Metapher ein Geheimnis aufzittern zu lassen. Wie beiläufig stellt sich ein latentes Gefühl von Bedrohung ein – obwohl fast nichts geschieht. Besuche beim alten Hausmeister des alten Studentenwohnheims; tägliches Kochen und Verschlingen von Orangenmarmelade; Gespräche mit einem rätselhaften Mann und seinem Sohn, die auftauchen und wieder verschwinden: Die Ereignisse entspringen der Leere – und gehen wieder in sie ein. Heil oder Unheil, am Ende ist es eins.

Yoko Ogawa: Schwimmbad im Regen. Erzählungen. A. d. Japan. v. Ursula Gräfe, Kimiko Nakayama-Ziegler. Verlagsbuchhandlung Liebeskind, München. 157 S., 17,50 €.

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