Sport : Zwist unter Zwillingen

Warum die Beachvolleyballer Markus und Christoph Dieckmann getrennte Wege gehen

Peter S. Kaspar

Berlin. Fällt der Händedruck von Christoph etwas kühler aus? Jubelt Markus eine Spur lauter als sonst? Das Achtelfinale der Männer beim Grand-Slam-Turnier der Beachvolleyballer auf dem Schlossplatz bezog seine Spannung nicht nur aus seinem sportlichen Wert, sondern vielmehr aus familiären Gründen: Mit Markus und Christoph Dieckmann standen sich zwei deutsche Spieler gegenüber, die bis vor drei Jahren noch gemeinsam erfolgreich waren. Dann setzte eine Rückenverletzung von Christoph Dieckmann dem erfolgreichen Duo ein Ende. Dass die Zwillingsbrüder in dieser Zeit nicht immer ein Herz und eine Seele waren, haben sie sogar öffentlich eingestanden.

Der erste Punkt geht an Christoph Dieckmann und seinen Partner Andreas Scheuerpflug. Die Zuschauer jubeln. Klar: Scheuerpflug/Dieckmann spielen für den VC Olympia Berlin, und sie sind die krassen Außenseiter gegen Markus Dieckmann und Jonas Reckermann. Die wurden vergangenes Jahr Europameister und haben sich inzwischen in die Weltspitze gespielt. Ein Spaziergang wird es aber für die Favoriten nicht. Tatsächlich scheint es so, als genieße Markus jeden direkten Punkt, den er gegen seinen Bruder erzielt. Doch das muss nicht unbedingt nur etwas mit brüderlicher Rivalität zu tun haben. Christoph, der vier Minuten jüngere der beiden Zwillinge, überragt Markus um acht Zentimeter und gilt als exzellenter Abwehrspieler. So einen zu überwinden macht richtig Spaß. Egal, ob es der eigene Bruder ist oder nicht.

Der erste Satz endet knapp: 21:19 für die Europameister. Für Markus ist das nicht überraschend. Acht Mal haben die beiden gegeneinander gespielt, und immerhin zwei Mal behielt Christoph das bessere Ende für sich. „Die sind schon ein sehr starkes Team,“ lobt Markus. So prickelnd wie am Anfang ist das Bruderduell für ihn nicht mehr. „Beim ersten Mal war es schon merkwürdig“, erinnert er sich. Inzwischen sind diese Spiele für ihn Normalität geworden. Nein, Wetten hätten sie vorher keine abgeschlossen, meint Markus. Der Leistungsunterschied zwischen den beiden Teams ist doch noch zu groß.

Das zeigt sich im zweiten Satz. Zeitweise haben die Favoriten zehn Punkte Vorsprung. Als die Konzentration dann ein wenig nachlässt, kommen Scheuerpflug/Dieckmann noheran und gestalten das Ergebnis mit 15:21 noch einigermaßen erträglich. Immerhin bedeutet die Niederlage den neunten Platz für beide, und das gibt 4000 US-Dollar Preisgeld. Doch Christoph tröstet das wenig, er verschwindet schnell in den Athletenbereich. Markus dagegen strahlt. Mit seinem Partner Jonas Reckermann hat er zurzeit viel Erfolg. In Gstaad auf dem zweiten Platz, in Berlin auch schon wieder im Halbfinale. Im Viertelfinale gelang ein Dreisatzsieg gegen die Schweizer Brüder Paul und Martin Laziga. „An einem guten Tag können wir jeden schlagen“, sagt der 27-Jährige Dieckmann. Und wie ist das mit dem Bruder? Immerhin sind Christoph Dieckmann und Andreas Scheuerpflug in Deutschland derzeit die Nummer zwei. Markus windet sich ein wenig, ehe er dann sagt, dass sein Bruder mit dem neuen Partner es noch ziemlich weit bringen kann. „Dafür, dass die erst ein Jahr zusammenspielen, sind sie schon sehr gut“, sagt Markus. „Es ist doch schön, dass wir beide oben mitspielen. Es wäre doch schlimm, wenn einer von uns am Abgrund taumeln würde.“

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