Sport : Zwölf Löwen schlagen den Tiger

Europa holt gegen Titelverteidiger USA den Ryder Cup der Golfer – mit Bernhard Langer, der Kapitän werden möchte

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Birmingham (dpa). Mit einer taktischen Meisterleistung hat das Team Europa zum sechsten Mal seit 1979 den Ryder Cup der Golfprofis gewonnen und Titelverteidiger USA mit 15,5:12,5 Punkten entthront. Der entscheidende Putt gelang dem Iren Paul McGinley, der sich im zehnten Match den Punkt am 18. Grün mit Jim Furyk teilte. Die 14,5 Punkte zu diesem Zeitpunkt hätten Europa zum Cupgewinn gereicht. Den Tränen nahe, nahm Europa-Kapitän Sam Torrance den 35-Jährigen in die Arme.

„Das ist das Größte, was ich je erlebt habe“, meinte der Schotte völlig gerührt. Der als Letzter gegen den Schweden Jesper Parnevik gestartete Superstar Tiger Woods konnte das hoch dramatische Duell nicht mehr wenden. Wie in Trance teilte Woods sein Match mit dem Schweden, während Europas Golfstars jubelten. Nach einjähriger Verlegung wegen der Terroranschläge vom 11. September 2001 nahm die als Außenseiter gestartete Auswahl von Torrance im „The de Vere Belfry“ bei Birmingham späte Revanche für die 13,5:14,5-Niederlage von 1999 in Brookline (USA). Unter skandalösen Umständen hatte sich das USA-Team damals beim entscheidenden Matchplay einen unsportlichen Vorteil verschafft.

Getragen von einer Woge der Begeisterung der mehr als 100 000 Zuschauer in den West Midlands war mit dem 8:8 nach den Vierern die 7:5-Überlegenheit Europas bei den zwölf Einzeln im bis zum letzten Schlag dramatischen Matchplay entscheidend. US-Kapitän Curtis Strange hatte sich verkalkuliert, als er sein Trumpf-Ass Woods erst im letzten Flight ausspielte, während Europa mit dem überragenden Colin Montgomerie und Bernhard Langer seine Besten früh einsetzte. Der Schotte war mit 4,5 von 5 möglichen Punkten vor Langer (3,5) der große Gewinner. „Ich habe zwölf Löwen im Team, die USA nur einen Tiger“, hatte Torrance argumentiert und das Spiel mit einer Offensiv-Taktik eröffnet. Die vermeintlich sieben Stärksten sollten so schnell wie möglich die entscheidenden Punkte einspielen. Strange dagegen hatte sich darauf verlassen, dass Europa das nicht gelingen würde und Woods für die Entscheidung sorgen könnte.

Zu Torrances Plänen gehörte auch, dass Langer mit der größten Erfahrung und Akzeptanz im Team eine Führungsrolle übernahm. Wie schon 1985 beim 16,5:11,5-Sieg über die USA im „The de Vere Belfry“ hatte Langer den inzwischen 44-jährigen Hal Sutton wieder zum Gegner. Auf den 148. Weltranglistenplatz abgerutscht, fiel Sutton wie vor 17 Jahren auch auf den Grüns schnell zurück. Nach dem fünften Birdie von Langer war die Partie beendet. Seine Teamkollegen standen ihm letzlich nicht nach. Nie gerieten die Europäer in der Gesamtwertung in Rückstand, bis schließlich McGinley alle erlöste.

Nach seinem glanzvollen Auftritt beim 34. Ryder Cup scheint die Zeit reif zu sein für einen Bernhard Langer als Ryder-Cup-Kapitän. Der Schwabe selbst denkt bereits an den nächsten Vergleich mit den USA, der 2004 im amerikanischen Oakland Hill/Detroit ausgetragen wird. Spätestens im Dezember wird ein Komitee der Professional Golf Association (PGA) über die Nachfolge des Schotten Sam Torrance befinden, der mit Ende des 34. Ryder Cups sein Amt aufgeben wird.

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