Sport : Zyklisch erfolglos

Stefan Hermanns

über eine bekannte Erfahrung für Matthias Sammer Co Adriaanse, der Trainer des holländischen Ehrendivisionärs AZ Alkmaar, hat in diesem Winter eine ebenso seltsame wie konsequente Entscheidung getroffen: Sein Klub stand vor der erfolgreichsten Saison seit fast 25 Jahren, und trotzdem hat Adriaanse den Beschluss gefasst, seinen Vertrag nicht zu verlängern, weil ein Trainer nach drei Jahren keine Impulse mehr geben könne. Diese Einsicht in die eigene Fehlbarkeit ist eine bisher weitgehend unterschätzte Qualität, die einen wirklich großen Trainer auszeichnet. Vor allem in der Bundesliga ist sie nicht besonders weit verbreitet.

Dass ein erfolgreicher Trainerzyklus drei Jahre und selten länger währt, hat Matthias Sammer bei Borussia Dortmund bewiesen: Im ersten Jahr gewann er 2002 die Meisterschaft, im zweiten wurde der BVB Dritter und nach dem dritten waren in Dortmund alle froh, als sich Sammer nach Stuttgart verabschiedete. Die Frage, ob Sammer ein wirklich großer Trainer ist, ist trotzdem noch nicht abschließend beantwortet. Im Moment würde man sagen: eher nein. Der VfB liegt zwar noch auf Platz drei, von den vier Anwärtern auf einen Platz in der Champions League machen die Stuttgarter zurzeit allerdings den labilsten Eindruck. Sammer wird schon länger vorgeworfen, dass bei seinem Team keine Handschrift zu erkennen sei. Man könnte auch sagen, dass es gerade Sammers Handschrift ist, dass keine Handschrift zu erkennen ist.

Offensichtlich aber ist Sammer in der Lage, aus einer Mannschaft mehr herauszuholen, als in ihr steckt. Allerdings gelingt ihm das nur über einen begrenzten Zeitraum, und die Entwicklung, die der BVB unter ihm in drei Jahren genommen hat, erlebt er nun in Stuttgart innerhalb von drei Monaten. Es ist noch nicht lange her, dass der VfB – gerade wegen Sammer und der Erfahrung von 2002 – als aussichtsreichster Konkurrent der Bayern im Kampf um die Meisterschaft galt. Jetzt sieht es eher so aus, als würde sich für Sammer 2003 wiederholen. Da musste der BVB am letzten Spieltag nur sein Heimspiel gegen den Absteiger Cottbus gewinnen, um sich direkt für die Champions League zu qualifizieren – und spielte 1:1. Es war der Anfang vom Ende des Meistertrainers Sammer in Dortmund.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben