Sportrechte : Bundesliga wieder bei Premiere?

Die Rechte an der Fußball-Bundesliga könnten bald wieder in die Hände von Premiere gelangen. Nach bisher unbestätigten Berichten erwägt Arena den Verkauf an Premiere. Der Münchner Bezahlsender wäre damit künftig wieder konkurrenzlos.

Die Spiele der Fußball-Bundesliga könnten künftig wieder beim Bezahlsender Premiere zu sehen sein. Der Pay TV-Kanal Arena erwägt, die Rechte als Sublizenz an den Konkurrenten weiter zu reichen. Dies sei Bestandteil des Vorschlags, den Premiere und Arena dem Bundeskartellamt gemacht hätten, hieß es aus Branchenkreisen. Ein solcher Schritt könnte die Auflösung der Bundesliga-Redaktion bei Arena bedeuten. Weder Premiere noch Arena wollten sich dazu äußern. Auch die Deutsche Fußball Liga (DFL) lehnte eine Stellungnahme ab.

Sollte sich der Vorschlag durchsetzen, wäre die Etablierung eines zweiten Pay-TV-Kanals in Deutschland neben Premiere und damit eine neue Konkurrenz gescheitert. Die Aktien von Premiere reagierten auf diese überraschende Wende im Poker um die lukrativen Bundesliga- Rechte mit einem Kurssprung. Am Abend notierten die Papiere zeitweise um fast 5,6 Prozent im Plus bei über 18,50 Euro.

Arena hatte Premiere Ende 2005 die Live-Übertragungsrechte für die Fußball-Bundesliga in einem spektakulären Bietergefecht weggeschnappt. Da Arena zwar über die Rechte verfügt, Premiere aber einen deutlich größeren Kundenstamm hat, beschlossen die beiden Unternehmen eine enge Kooperation. Weil das Bundeskartellamt Bedenken gegen die Vermarktung des Arena-Bundesligaangebotes über Satellit durch Premiere anmeldete, musste diese allerdings auf Eis gelegt werden. Beide Sender hatten den Wettbewerbshütern daraufhin einen Kompromissvorschlag vorgelegt.

240 Millionen Euro jährlich an die DFL

Pro Saison zahlt Arena als Tochter des Kabelkonzerns Unity Media rund 240 Millionen Euro an die Deutsche Fußball Liga (DFL). Damit ist der Bezahlsender der größte Geldgeber des Fußball-Dachverbandes. Arena hat schätzungsweise 1,1 Millionen Kunden. Noch im April hatte das Unternehmen den früheren Bundestrainer Jürgen Klinsmann als Co-Kommentator für zwei Jahre verpflichtet. Für Arena soll sich das Geschäft angeblich rechnen. Premiere-Chef Georg Kofler würde damit nachträglich doch als Sieger aus dem Poker hervorgehen. Der Verlust der Bundesliga-Rechte hatte Premiere in Turbulenzen gebracht.

Eine Sprecherin des Bundeskartellamtes hatte zuvor erklärt, die Behörde habe keine grundsätzlichen Bedenken mehr gegen den neuen Entwurf einer Zusammenarbeit zwischen den beiden Unternehmen. Allerdings müssten noch einige Punkte angepasst werden. Kartellamts-Präsident Bernhard Heitzer sagte in einem Interview der "Süddeutschen Zeitung": "Derzeit liegt der Ball wieder bei den Unternehmen." Schon Mitte Juli rechne er bei dem Verfahren mit einer Entscheidung.

Bundesliga wieder von Premiere produziert

Auch bei "sueddeutsche.de" hieß es unter Berufung auf mehrere Quellen, es sei eine "weit reichende Sublizenzierung an Premiere" geplant. Dies würde heißen, dass Premiere die Bundesliga künftig wieder selbst produzieren und im Pay-TV live zeigen würde. Unklar sei derzeit noch, was mit den übrigen Sportrechten passieren würde, die Arena derzeit hält. Für die Kunden ändere sich dadurch wenig. Arena-Abonnenten könnten dann auf Premiere Fußball schauen, die Pay-TV-Rechte dafür werde Premiere von Arena kaufen. Es seien aber noch Details zu klären. "Es kann noch platzen", zitierte "sueddeutsche.de" Beteiligte.

Bei Arena fürchten derweil die Mitarbeiter um ihren Arbeitsplatz. Von einer Auflösung der Bundesliga-Redaktion wären rund 100 feste und freie Mitarbeiter betroffen. Mehrere Arena-Reporter hatten bis 2006 für Premiere gearbeitet und waren nicht immer im besten Einvernehmen zum Konkurrenten gewechselt. Ihre Übernahme durch Premiere gilt als keineswegs sicher. (mit dpa)