Spreewald : Der Büffel als Gärtner

Im Spreewald leben seit dem Sommer fünf Wasserbüffel. Ursprünglich stammen sie aus Indien, in der Lausitz werden sie zur Landschaftspflege eingesetzt. Mit ihnen kamen auch der Kiebitz und seltene Amphibien nach Brandenburg zurück.

Lars Hartfelder (ddp)

CottbusCottbus - Es ist früh am Morgen. Auf den Wiesen in der Spreeaue nördlich von Cottbus funkelt der Tau. In einer mit Wasser gefüllten Suhle tummeln sich zwei Wasserbüffel. Für René Krawczynski beginnt jeder Tag mit einem Besuch bei den „sanften Riesen“, wie er die Tiere liebevoll nennt. Der 36-jährige Ökologe ist Dozent an der Brandenburgischen Technischen Universität (BTU) Cottbus und Experte für Wasserbüffel. Mit der Erforschung der Tiere in der Lausitz ist für den Biologen ein Traum in Erfüllung gegangen.

Krawczynski will vor allem den Landwirten im Spreewald Alternativen für die Beweidung der feuchten Flächen zeigen, die Rinder und Pferde nicht mögen. „Wasserbüffel fühlen sich in nassen Gebieten besonders wohl“, sagt er. Fünf Wasserbüffel leben seit wenigen Wochen hier in der Cottbuser Spreeaue. Wolfram Hotzler, Chef der Sielower Agrargenossenschaft, hat sich von Krawczynski überzeugen lassen und die ursprünglich aus Indien stammenden Tiere Anfang Juli von einer Farm bei Oldenburg gekauft.

Seitdem grasen die Büffel auf einer sieben Hektar großen Wiese, buddeln eigene Suhlen und reiben sich an den angrenzenden Bäumen. Der Öko-Bauer ist mit dem bisherigen Projektverlauf zufrieden. „Die Tiere haben sich hier gut eingelebt.“ Vor allem vom Gemüt ist er angetan. „Sie sind sehr friedlich und können sogar gestreichelt werden.“ Der Landwirt will aber keinen Zoo aus seiner Fläche machen. „Ich möchte aktive Landschaftspflege betreiben“, sagt er.

„Die Beweidung mit Wasserbüffeln versetzt die nassen Flächen wieder in einen naturnahen Zustand“, erklärt Krawczynski. Die biologischen Vorteile seien enorm. Bereits nach wenigen Wochen haben sich auf dem wieder beweideten Gebiet viele seltene Arten vermehrt oder neu angesiedelt. „Die Tiere schaffen gute Bedingungen für Vögel wie den Kiebitz oder Amphibien wie die Rotbauchunke“, sagt Krawczynski. Auch zahlreiche Insekten profitieren von der Lebensweise der rund 500 Kilogramm schweren Tiere. In den ausgetrockneten Suhlen legen etwa Libellen ihre Eier ab. „Im kommenden Sommer wird sich deren Population enorm vergrößern“, ist der Ökologe überzeugt. Davon würden wiederum Eulen und Falken profitieren, denen Libellen als Nahrung dienten. „Ziel ist es, den Einsatz von Wasserbüffeln beim Artenschutz zu fördern“, sagt Krawczynski.

Vergleichbare Projekte gebe es in Brandenburg bei Jüterbog (Teltow-Fläming) und Gröden (Elbe-Elster), außerdem in England und Griechenland. Deutschlandweit leben derzeit nach Angaben von Krawczynski, der auch Vizepräsident des Internationalen Büffelverbandes ist, rund 1800 Tiere. Der Einsatz in der Landwirtschaft sei auch wirtschaftlich rentabel, da die Tiere wegen ihrer Anspruchslosigkeit nicht mit Silage zugefüttert werden müssten. Und: „Ihr Fleisch ist sehr schmackhaft und vor allem fettarm“, sagt Krawczynski. In Spitzenrestaurants werde es als Delikatesse angeboten. Lars Hartfelder (ddp)

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