Spritpreis : Frohe Ostern – mit 90 Cent für den Liter

Es reicht. Weil die Spritpreise steigen, wird Autogas wieder spannend. Viele Vorurteile sind falsch – und Opel macht Werkslösungen jetzt bezahlbar.

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Lassen wir Visionen mal beiseite, auch wohlfeile Ankündigungen und unfinanzierbare Exoten. Halten wir uns für einen Moment an die Wirklichkeit im Frühjahr 2010: Die Verbrennungsmotoren sind die Regel; echte, bezahlbare Alternativen werden reichlich besprochen, aber mangels Angebot und Kaufkraft kaum gefahren. Zugleich gehen die Spritpreise auf Bergfahrt, klar, Ostern ist das immer so, der kollektive Kurzurlaub motiviert die Ölmultis, und der nahende Aufschwung tut sein Übriges. Dieses Dilemma will Opel sich zunutze machen – mehr denn je.

Zwar ist das, was die Rüsselsheimer im Kampf gegen die teure Realität anzubieten haben, ein alter, alternativer Hut: LPG, in der Umgangssprache gerne auch Auto- oder Flüssiggas genannt. Aber neu ist die Konsequenz, mit der Opel die bekannte Energie nun aus der Umrüst-Nische herausholen will. Teil eins der Markteroberungs-Strategie greift seit Herbst letzten Jahres. Seither gibt es gleich vier Opel-Modelle als LPG-Werksauto. Teil zwei folgte – ganz ohne Scherz – am 1. April: Opel hat den Aufpreis für die Anschaffung eines LPG-Modells gleich um die Hälfte reduziert.

Die Rede ist zwar „nur“ von 1100 Euro, die der Kunde spart. Aber die Rechnung potenzieller Käufer ändert sich dadurch dauerhaft: Für Vielfahrer etwa, die mit ihrem Zafira 30 000 Kilometer im Jahr fahren, amortisiert sich die Investition schon nach neun Monaten. Die Rechnung dahinter ist ebenso schlicht wie einleuchtend: Autogas tankt der Kunde für knapp die Hälfte gegenüber des Benzinpreises, weil der Staat sich mit 9,1 Cent Mineralölsteuer je Liter begnügt. Zum Vegleich: Beim Liter Benzin schluckt der Fiskus 65 Cent. Für private Vielfahrer und scharf rechnende Flottenmanager könnte Opels Aktion den entscheidenden Ausschlag geben, nun endlich auf eine verfügbare Aternative umzusteigen.

Dass LPG-Autos knapp 20 Prozent mehr Sprit verbrauchen, ist in der Amortisationsrechnung berücksichtigt.Zu Umweltsündern werden Autpgas-Fahrer dennoch nicht. Wegen des geringeren Kohlenstoffanteils wird deutlich weniger CO2 emittiert (Beim Corsa zum Beispiel 127 g/km statt 146 g/km). Andere Vorurteile, die über LPG kursieren, lassen sich leicht widerlegen: Man verliert keinen Platz (der Tank sitzt in der Mulde fürs wegfallende Reserverad); man fährt genauso sicher (die Technik überstand alle Crashtests und im Brandfall öffnet sich ein Sicherheitsventil, sodass LPG kontrolliert entweicht) und schließlich: Man muss mit seinem Auto nicht öfter in die Werkstatt als mit einem konventionellen Benziner – alle 30 000 Kilometer. Für eine LPG-Lösung ab Werk spricht zudem zweierlei: Zum einen gibt es anders als bei Umrüst-Lösungen die volle Graantire. Und dann ist der Mehrpreis von 1100 Euro, den Opel ab 1.April aufruft, konkurrenzlos günstig.

Was also spricht für Vielfahrer dagegen, auf LPG umzusteigen? Vielleicht die maue Leistung. Aufgrund seiner geringeren Energiedichte sind flüssiggas-betriebene Autos müde Gesellen. Anders als Erdgas-Autos (CNG-Modelle, die Opel auch im Programm hat), ziehen sie halt nicht so, wie man das gewohnt ist. Dafür hat man beim Tanken weniger Probleme: Während Erdgas-Tankstellen nur mit der Lupe zu finden sind, bieten 42 Prozent aller Tankstellen in Deutschland inzwischen auch LPG-Zapfsäulen an. Mit ein bisschen Koordination sollte das kein Problem darstellen – und an das Geschraube am Einlass-Stutzen gewöhnt man irgendwann. Sollte es mit der Tour-Planung doch mal schief gehen, bleibt einem das Benzin im herkömmlichen Tank. Der bleibt erhalten – was selbst beim winzigen Agila LPG zu einer maximalen Reichweite von mehr als 1200 Kilometern führt.

Wem gleichmäßiges Fahren ohnehin mehr liegt als Spurten, und wem der Bick ins Portemonnaie wichtiger ist als auf vorbeirennende Verbrenner, der sollte Opels LPG-Aktion nutzen. Günstiger kann man 2010 nicht fahren: 90 Cent je Liter.

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