Sri Lanka : Angeblich hunderte Tote nach Artilleriebeschuss

Bei einem Angriff der Regierungstruppen sollen in Sri Lanka laut Angaben der tamilischen Rebellen mindestens 1200 Zivilisten getötet worden sein. Unabhängige Bestätigungen für die Meldung gab es nicht, da der Zutritt zur Kampfzone für internationale Beobachter verwehrt ist.

ColomboWie die Befreiungstiger von Tamil Eelam (LTTE) über den ihnen nahe stehenden Internetdienst Tamilnet mitteilten, habe die Armee in der Nacht ein Gebiet mit Artillerie beschossen, obwohl dieses zuvor von der Regierung als "sichere Zone" deklariert worden sei. Nach jüngsten Angaben kamen mehr als 400 Menschen ums Leben. Die Vereinten Nationen verurteilten das "Blutbad". UN-Sprecher Gordon Weiss sagte, das Völkerrecht verpflichte sowohl Regierungstruppen als auch die LTTE, die Sicherheit der Zivilisten zu gewährleisten.

Die Armee äußerte sich zunächst nicht. Eine unabhängige Bestätigung für die Meldung gab es nicht, da die Regierung Journalisten und internationalen beobachtern den Zugang in das kleine, noch von den Rebellen gehaltenen Gebiet verweigert. Die Vereinten Nationen stützen sich auf Angaben von Ärzten aus dem Krisengebiet, die sie allerdings als zuverlässig einstufen.

Die LTTE, die einst weite Teile im Norden und Osten Sri Lankas kontrollierte, ist inzwischen auf einem nur noch etwa fünf Quadratkilometer großen Küstenstreifen nördlich der Stadt Mullaitivu vom Militär eingekesselt. Im Kampfgebiet sitzen nach UN-Schätzungen auch rund 50.000 Zivilisten fest.

Die Regierung wirft der LTTE vor, die Zivilisten an der Flucht zu hindern und als menschliche Schutzschilde zu missbrauchen. Unter internationalem Druck hatte das Militär nach eigenen Angaben bereits vor zwei Wochen den Einsatz schwerer Waffen sowie Luftangriffe in der Region gestoppt. (rf/dpa)