Sri Lanka : Regierungstruppen treiben Rebellen in die Enge

Nach Angaben des Verteidigungsministeriums hat die Armee den letzten Küstenstreifen im Nordosten Sri Lankas, der sich noch in der Hand der Rebellen befand, eingenommen. Präsident Mahinda Rajapakse kündigte an, die gefangenen Zivilisten würden in den nächsten Tagen aus der Hand der Rebellen befreit werden.

ColomboDie Befreiungstiger von Tamil Eelam (LTTE) seien nach Angaben des Militärs nun auf eine Fläche von nur noch einen Quadratkilometer im Landesinneren zurückgedrängt und haben erstmal keinen Zugang zum Meer. Wie die ARD berichtete, habe das Verteidigungsministerium Bilder von jubelnden und spazieren gehenden Soldaten am Strand veröffentlicht.

Unabhängig überprüfbar ist dies jedoch nicht, da Journalisten die Kampfzone im Nordosten der Insel nicht betreten dürfen. Aber alles deutet darauf hin, dass die tamilischen Rebellen zum ersten Mal seit Beginn des Bürgerkrieges keinen Zugang mehr zum Meer haben.

Präsident Mahinda Rajapakse kündigte unterdessen an, dass die noch von der LTTE im Kampfgebiet festgehaltenen Zivilisten, noch an diesem Wochenende befreit werden sollen. Rajapakse hatte jedoch bereits Anfang Februar gemeint, dass die Niederlage der LTTE nur noch eine Frage von Tagen sei und damit deutlich fehl gelegen. Bei den Kämpfen auf dem winzigen Gebiet an der Küste nördlich der Stadt Mullataivu, sind die Zivilisten derzeit schutzlos dem Kreuzfeuer ausgeliefert.

Die Regierung schätzt, dass noch etwa 20.000 Zivilisten im Kampfgebiet festsitzen. Die Vereinten Nationen rechnen dagegen mit 50.000 Zivilisten. Nach Militärangaben konnten in den vergangenen Tagen rund 5000 Menschen aus dem Küstenstreifen fliehen.

LTTE und Armee machen sich gegenseitig für den Tod von Hunderten Zivilisten bei den Gefechten verantwortlich. Die Regierung wirft der LTTE vor, die unbeteiligte Bevölkerung als menschliche Schutzschilde zu missbrauchen. Die Rebellen beschuldigen hingegen die Armee, das Kampfgebiet ohne Rücksicht auf Zivilisten zu beschießen.

Beide Seiten ignorierten einen Appell des UN-Sicherheitsrats und des US-Präsidenten Barack Obama, die Kämpfe einzustellen und die im Kampfgebiet festsitzenden Zivilisten freizulassen.

Wie die ARD berichtete, leben außerhalb der Kampfzone inzwischen rund 200.000 tamilische Inlandsflüchtlinge in Lagern unter Regierungskontrolle. Sie werden zum Teil verhört und dürfen sich nicht frei bewegen. Das Internationale Rote Kreuz spricht von einer "unvorstellbaren humanitären Tragödie".

Die Tamilen-Rebellen kämpfen seit 1983 um einen eigenen Staat für die unterdrückte tamilische Minderheit im Norden und Osten der Insel.  Bei dem nunmehr 26 Jahre andauernden Bürgerkrieg kamen bislang mehr als 70.000 Menschen ums Leben. (sh/dpa)