St.-Pauli-Trainer : Chef oder Strohmann?

Der FC St. Pauli hat seine Trainerfrage mit einer Überraschung gelöst. Der bisherige Co-Trainer André Trulsen wird zum "Chef" befördert, nachdem Holger Stanislawski das Amt wegen der fehlenden Lizenz nicht mehr bekleiden durfte.

Christian Kamp[dpa]
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André Trulsen: Unorthodoxe Lösung eines Trainerproblems. -Foto: dpa

HamburgAndré Trulsen ist der neue Chef, doch Holger Stanislawski behält das Sagen. Mit einer offenkundigen "Strohmann"-Lösung hat der FC St. Pauli seine drängende Trainerfrage gelöst und zugleich die Verbände zufrieden gestellt. Nachdem Stanislawski wegen der fehlenden Fußballlehrer-Lizenz den Chefposten nicht mehr bekleiden durfte, einigte sich der Club mit dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) und der Deutschen Fußball-Liga (DFL) auf Trulsen als Nachfolger. "Das ist für alle Beteiligten die beste Lösung", sagte Teammanager Christian Bönig.

Für die Mannschaft des Zweitliga-Aufsteigers ändere sich nicht viel. "Stanislawski und Trulsen haben dieselbe Philosophie", sagte Bönig. De facto läuft es damit auf eine "Strohmann"-Lösung hinaus, bei der Ex-Profi Trulsen offiziell das Training leitet, Stanislawski aber die Verantwortung für den sportlichen Bereich behält.

Trulsen holt Fußballlehrer-Schein nun schnellstens nach

DFB und DFL seien mit der Lösung einverstanden gewesen, nachdem Vizepräsident Carsten Pröpper am Vormittag das Konzept noch einmal telefonisch erläutert hatte. Zwar besitzt A-Lizenz-Inhaber Trulsen ebenfalls noch nicht den Fußballlehrer-Schein; der 42-Jährige soll dies aber schnellstmöglich nachholen: Vom 25. Juli an nimmt er an der Sporthochschule Köln an einem sechsmonatigen Lehrgang teil.

Damit wird Trulsen nun zum Dauerpendler, doch offenbar war dieses Zugeständnis erforderlich, um Grünes Licht zu erhalten. "Mit diesem Nachteil müssen wir leben", sagte Bönig. Auch die Cheftrainer Claus-Dieter Wollitz (Osnabrück), Christian Hock (Wehen Wiesbaden) und Jos Luhukay (Mönchengladbach) müssen an dem Lehrgang in Köln teilnehmen. Die drei Liga-Konkurrenten wären daher bei einer anderen Lösung benachteiligt gewesen. Aus diesem Grund nahm St. Pauli auch von der Variante mit Torwarttrainer Klaus-Peter Nemet als Chef Abstand.

Zusätzliche Kosten für St. Pauli

Stanislawski will nun im August die B-Lizenz erwerben und im Frühjahr die A-Lizenz in Angriff nehmen. Unterdessen hat die Posse seinem Club auch noch zusätzliche Kosten eingebrockt. Weil St. Pauli gegen eine Auflage des DFB-Regionalliga-Ausschusses verstoßen hat, muss der Verein eine Geldstrafe in Höhe von 3000 Euro zahlen. Wie der DFB mitteilte, war die Ausnahmegenehmigung für Stanislawski als Trainer im vergangenen Spieljahr an die Bedingung gekoppelt, bis zum Saisonende mindestens den C-Schein zu absolvieren. Dies habe er aber nicht getan, so dass nun eine Vertragsstrafe ausgesprochen wurde.