Der Tagesspiegel : Staatsanwalt ermittelt beim Grünen Punkt

Der amerikanische Finanzinvestor KKR soll viel zu wenig für das Entsorgungs-Unternehmen gezahlt haben. Die Manager müssen sich für die Vorgänge vor Gericht verantworten.

Grüner Punkt Foto: ddp
Der Grüne Punkt ist viel zu billig verkauft worden. Die verantwortlichen Manager stehen jetzt vor Gericht.Foto: ddp

Düsseldorf – Dem Verkauf des Grünen Punkts an die amerikanische Private-Equity-Firma KKR folgt womöglich ein strafrechtliches Nachspiel. Zurzeit beschäftigt sich die Kölner Staatsanwaltschaft mit einer anonymen Strafanzeige, die sechs der am Verkauf beteiligten Top-Manager „gemeinschaftliche Untreue in einem besonders schweren Fall“ beziehungsweise Beihilfe vorwirft.

Der Aufsichtsrat des DSD (Duales System Deutschland) hatte sich am 28. Oktober 2004 nach nur 53 Minuten mit der KKR-Führung auf den Verkauf des Unternehmens verständigt. Als Grundlage diente ein Wertgutachten von Pricewaterhouse-Coopers (PwC), das sich später als viel zu pessimistisch erwies. Tatsächlich fiel der Nettogewinn des DSD im darauf folgenden Jahr dreieinhalb Mal höher aus als von PwC angenommen. Statt der von KKR als Kaufpreis gezahlten 260 Millionen Euro, errechneten Analysten später, hätte den Gesellschaftern – in ihrer Mehrzahl Einzelhändler und Konsumgüterhersteller – gut 1,4 Milliarden Euro zugestanden.

Entstanden war der Wert des Unternehmens durch eine pralle Firmenkasse, die die Verbraucher mit hohen Zuzahlungen für den Grünen Punkt gefüllt hatten. Die Autoren der Anzeige vermuten hinter dem DSD-Verkauf illegale Absprachen. „Die Aktionärsvertreter haben den Verkauf nur genehmigt, weil sie von den Gremien grob wahrheitswidrig über den eigentlichen Wert der DSD AG informiert wurden“, schreiben sie. cs/HB